Ironman VR – ein virtueller 70.3 Triathlon

Okay, jetzt also doch: Ein virtueller Ironman Triathlon auf Zeit.
Am Samstag habe ich im Rahmen der Ironman VR Serie einen 70.3 Triathlon gemacht.
5 Kilometer laufen, 90 Kilometer Rad fahren und 21 Kilometer laufen.
Das dritte Rennen der Ironman VR Championship Serie habe ich zum Anlass genommen, mal meinen aktuellen Leistungsstand zu testen.

Warum jetzt doch ein virtueller Ironman?

Ironman verteilt im Rahmen der VR Championship Serie 100 Startplätze für die 70.3 WM in Neuseeland . Dazu wurden die Regeln für die virtuellen Rennen etwas verschärft. Das Laufen muss nun outdoor stattfinden und das Radfahren auf einer vorgegebenen Strecke auf der virtuellen Plattform Rouvy. Dadurch ist zumindest die Vergleichbarkeit der Ergebnisse deutlich besser als vorher, auch wenn hier immer noch leicht betrogen werden kann.
Da es mir aber nicht um einen Slot für die WM geht und mir auch das Ranking nicht wirklich wichtig ist, reicht mir das Setup für einen Leistungstest.

Raceday 

Am Samstagmorgen gibt es das obligatorische Pre-Race Frühstück: Toast mit Honig. Dann bereite ich meine Wettkampfverpflegung vor, richte die Wechselzone ein und starte den Turbo Trainer und die Rouvy-Software.

Die Strecke für das Rennen ist der Kurs des Ironman Hawaii. Das ist ja mal cool. Es gibt also ein Wiedersehen mit dem Highway von Kailua-Kona bis hoch nach Hawi.

Dann geht es raus auf meine geliebte Standard-Laufstrecke. Michelle hält meinen Start im Bild fest und ich renne los. Die Pace-Vorgabe meines Coach ist 3:25 bis 3:30 pro Kilometer. Die Sonne scheint und es ist schon schön warm, so dass ich gut ins Schwitzen komme. Es fällt mir aber nicht sehr schwer den Pace zu halten. Das schöne am 5000-Meter-Lauf ist ja, dass er recht schnell zu Ende ist, auch wenn ich auf dem letzten Kilometer gut ins Schnaufen komme. Nach 17 Minuten und 11 Sekunden bin ich wieder an meinem Ausgangspunkt. Pace 3:26, erste Disziplin absolut im Soll.

Ironman VR 5000m Lauf

90 km durch die Tristesse

Die Regularien von Ironman geben dir ein Zeitfenster von 12 Stunden vor, in dem du die drei Disziplinen in der korrekten Reihenfolge absolvieren musst. Ich will den “Wettkampf” aber in einem Stück durchziehen und die Wechselzeiten möglichst kurz halten.
Es geht also zügig zurück nach Hause und ab auf die Rolle.

In Rouvy fährt man, im Gegensatz zu Zwift, über eine abgefilmte original Strecke. Alle Mitstreiter und man selbst werden in das Video animiert. Das Höhenprofil regelt dann automatisch den Widerstand des Rollentrainer. 

Als es am Anfang durch Kona geht, freue ich mich die ganzen bekannten Orte zu sehen. Das ist schon sehr lustig, wenn man schon mal da war und die Erinnerungen hochkommen.
Als es dann auf den Queen K-Highway geht, wird mir aber wieder bewusst wie langweilig die Strecke ist. Es gibt außer Lavafeldern eigentlich nichts zu sehen. Die einzige Abwechslung sind einige entgegenkommende Autos und ein paar Triathleten, die bei der Videoaufnahme mitgefilmt wurden.
Da jeder das Rennen starten kann, wann er will, ist die Strecke zwar relativ voll, aber trotzdem bekommt man selten einen anderen virtuellen Athleten zu Gesicht.

Indoor Bike

Ich stelle schnell fest, dass die Strecke in Rouvy noch langweiliger ist als das Original. Einzig die Anzeige von Zwischenzeiten und eine Einordnung in das Gesamtranking schaffen etwas Abwechslung.

Ich versuche mich an die Leistungsvorgaben zu halten und so geht es am Ende für 2:25:42 durch das virtuelle Hawaii.
Das Ende des Rennen ist ähnlich unspektakulär, wie das Rennen an sich. Rouvy wird auf jeden Fall keine neue Leidenschaft von mir.

Ironman VR Halbmarathon – erster Versuch

Es geht runter vom Rad und zurück in die Laufschuhe.
Michelle hat sich wieder als Begleitung auf dem Rad angeboten. Das ist super, da ich mir so keine Gedanken machen muss, wie ich Wasser und Verpflegung mitnehmen kann. 

Mein Blick aus dem Fenster fällt auf eine schwarze Wand über dem Rheintal. Das sieht nicht gut aus. Sollen wir wirklich los? Da ich aber keine Pause machen will, entschließen wir uns trotzdem auf die Strecke zu gehen.

Wieder am Rhein laufe ich los. Es dauert keine Minute da fliegen uns Blätter und Äste um die Ohren, gefolgt von einem Platzregen. Abbruch!
Wir drehen um und hasten zurück, um uns in einer Unterführung unterzustellen. Das macht so keinen Sinn. Direkt in ein Unwetter laufen, ist nun wirklich nicht schlau.

Abbruch wegen Unwetter

Ein Blick auf das Regenradar zeigt, dass wir wohl zwei Stunden warten müssen bis der Sturm vorübergezogen ist. Also schnell nach Hause und raus aus den klatschnassen Klamotten.
Zwei Stunden Pause im Wettkampf? Das hatte ich auch noch nicht.

Was mache ich jetzt? Soll ich was Essen? Ich entscheide mich für Honig-Toast und lege mich auf die Couch und döse kurz weg.
Als der Regen abnimmt, ist meine Motivation bei Null. Meine Beine fühlen sich bleischwer an. Soll ich jetzt nochmal los? Mit den Beinen wird das jetzt sowieso nichts mehr. Die sind schon im Feierabend-Modus.
Andererseits habe ich jetzt schon zwei Disziplinen erledigt.
Also raffe ich mich auf und bereite mich erneut auf den Halbmarathon vor und wir gehen zurück an den Start.
Der Vorteil des Unwetters – die Luft ist jetzt frisch und kühl. Sehr gute Bedingungen.

Ironman VR Halbmarathon – zweiter Versuch

Ich laufe los. Die ersten Meter fühlen sich merkwürdig an, aber die Beine erwachen schnell wieder zum Leben. Ich bleibe sogar unter der Pace-Vorgabe.
Michelle radelt gemütlich neben mir her.

Ein weitere Vorteil der Radbegleitung: Michelle kann mir den Weg frei machen.
Da der Radweg gut bevölkert ist, gibt es immer wieder Gruppen von Spaziergängern, die den kompletten Weg vereinnahmen. Aber auch Radfahrer, die langsamer sind als wir, kann Michelle rechtzeitig aus dem Weg räumen.

Die ersten 10 Kilometer laufen richtig gut. Ich laufe erstaunlich flüssig und bleibe deutlich unter dem vorgegebenen Pace. Das birgt natürlich immer das Risiko, dass es dann hinten raus nicht mehr reicht. 
Die Zielprognose auf der Uhr von einer Zeit unter 1:20 motiviert und pushed mich. Ich habe ein Ziel! Ich will unter 1:20 laufen.

Ironman VR Halbmarathon

Als die Sonne wieder rauskommt, beginnt die Arbeit. Es läuft nicht mehr so locker und ich muss mich schon sehr darauf konzentrieren die Geschwindigkeit zu halten. Michelle versucht sich zusätzlich als Pacemaker, was auf dem Rad natürlich gar nicht so einfach ist.

Auf den letzten Kilometern beginnen plötzlich Schmerzen im Knie. Aber drei Kilometer vor dem Ziel versucht man soetwas einfach zu ignorieren. Was bleibt dir auch anderes übrig?

Wir biegen auf den letzten Kilometer der Strecke, die ich schon 1000 mal gelaufen bin.  Dann ist es geschafft – 1:19:11 für 21 Kilometer! Wow, das hätte ich heute nicht mehr für möglich gehalten. 

Fazit

Klar, so ein virtuelles Rennen ist mit der Realität nicht zu vergleichen. Kein Wind auf der Radstrecke, sehr entspannte Wechsel, aber auch keine Gegner.

Es war aber trotzdem mal ganz cool so eine Standortbestimmung zu machen. Die ungeplante Regenpause kann ich allerdings schwer einordnen. Sind zwei Stunden Pause eher ein Vor- oder ein Nachteil?

So einen kleinen Funken Hoffnung habe ich ja, dass der 70.3 Ironman in Zell am See doch stattfindet. Wäre schon schön nochmal Leistung in einem realen Rennen zu zeigen.

Ach ja und am Ende schaut man natürlich doch auf die Ergebnisliste. 2. Platz in der Altersklasse und 29. insgesamt bei über 1100 Finishern – damit kann ich sehr gut leben.

Endergebnis

Strava Aktivitäten zu diesem Rennen: 5000m Lauf, 90km Rad, Halbmarathon

Infos zum Ironman VR auf der Veranstalter Webseite