IRONMAN Vichy – Ooops, I did it again

ironman_vichy_finishline

PreRace

Der erste Schock vor dem IRONMAN Vichy in Frankreich kam am Mittwoch vor dem Wettkampf, als die Wettervorhersage für das Rennwochenende in Vichy plötzlich von 26°C auf bis zu 36°C sprang. Also doch ein Hitzerennen, shit!

Als wir Donnerstags in Vichy ankamen, war es schon sehr warm.
Die Sonne hat richtig Kraft und strahlt uns vom wolkenlosen, blauen Himmel entgegen. Es ist schon jetzt sehr warm, obwohl das Thermometer die 30° Marke noch nicht erreicht hat. Wir holen unsere Startunterlagen ab, Michelle für ihre erste Mitteldistanz und ich für die volle. Die Expo ist recht klein und tatsächlich kaufe ich nichts… naja okay, bisschen Iso nehmen wir doch mit.

Startnummernausgabe

Zurück in unserem super schönen Appartement direkt am zentralen Park an der Oper bemerken wir ein weiteres Phänomen: Es wird nachts saukalt. Als wir am nächsten morgen mit dem Auto die Radstrecke abfahren, haben wir stellenweise nur 9°.

Und dann sehen wir die neue Radstrecke. Der IRONMAN Vichy warb mit seiner flachen, schnellen Radstrecke (zum Teil tut er das auf der Homepage immer noch!). Doch 3 Wochen nach unserer Anmeldung wurde eine neue Radstrecke bekannt gegeben. Flach? Am Arsch! Laut Open Street Map hat die Radstrecke 2000 Höhenmeter. Das IRONMAN offiziell von 1650 redet, ist eine Frechheit. Ich denke, man versucht dadurch die Athleten nicht zu sehr abzuschrecken. Aber es ist eine ziemlich miese Nummer. Als ich nach dem Rennen mit einigen Sportlern geredet habe, zeigte sich, dass wir alle zwischen 2100 und 2200 HM auf dem Radtacho hatten und die Strecke mit 182 km auch noch Überlänge hat.

Unsere Fahrt über den Radkurs versetzte uns dann etwas in Panik. Sehr lange Anstiege, kurvige Abfahrten, in den Ortschaften Bodenwellen vor den Zebrastreifen und der rauhe französische Asphalt, argh!
Wir steigerten uns gegenseitig so rein, dass uns wirklich Angst und Bange wurde. Psychologischer Super-Gau!

Am nächsten Morgen gehen wir noch eine kurze Runde Radfahren. Materialcheck. Danach will ich noch 10 Minuten Laufen. Auf einem Zebrastreifen werde ich fast überfahren. Dann laufe ich auf der Promenade entlang und falle aus vollem Lauf auf die Fresse! Was war das denn? Erst denke ich, dass jemand einen Stolperdraht zwischen zwei Pfosten gespannt hat. Es entpuppt sich dann aber als Kunstoffband, in das ich eingefädelt bin. Ergebnis: Schürfwunden an Händen, Knie, Hüfte und Oberarm. Na geil. Was denn nicht noch?! Zum Glück ist es nichts Schlimmeres.

Ironman Vichy – Das 70.3 Rennen

Am Samstag bin ich Supporter. Michelle geht auf ihren ersten 70.3 und ist mega nervös. Die Radstrecke, die angekündigte Hitze und eine gesundheitsbedingt mangelhafte Vorbereitung sind nicht die besten Voraussetzungen.

Der nächste Schock dann als die Wassertemperatur bekannt gegeben wird: 21°, Neofreigabe. Das Problem: Michelle hat keinen Neo und gehört damit zu den 0,5%, die das Rennen ohne den Kälteschutz starten!
Ich versuche sie aufzumuntern, habe aber selbst Panik, dass sie unterkühlt.
Sie geht sichtlich angespannt an den Start, springt ins Wasser und los geht’s. 

Ich laufe um das große Startareal herum an die Promenade zum Ende der Schwimmstrecke und bin super erleichtert, als ich irgendwann Michelle erblicke. Die einzigen unbedeckten Arme lassen sich in der Menge der Schwimmer gut ausmachen.

Als sie dann wenig später freudestrahlend auf dem Rad an mir vorbei düst, fallen mir 1000 Steine vom Herzen. Sie hat es geschafft und sie lacht sogar.

Michelle beim 70.3

Dann klingelt mein Telefon. Meine Eltern teilen mir mit, dass sie an der Schwimmstrecke stehen und gerade Michelle in der Wechselzone gesehen haben. Ich bin erst ziemlich verwirrt, da ich nicht wusste, dass sie kommen. Eine riesen Überraschung, dass sie den weiten Weg nach Vichy auf sich genommen haben, um uns zu unterstützen. Hammer!

Dann beginnt der lange Teil des Wartens auf die Zwischenzeiten von der Radstrecke. Bei jeder Zeitnahme macht sich bei mir Erleichterung breit und als sie die Zeitnahme nach den großen Anstiegen erreicht, bin ich echt glücklich. Sie hat es geschafft. 

Ich stehe bei Kilometer 1 der Laufstrecke und warte nervös auf sie. Wie wird sie aussehen? Es ist sehr heiss und ich weiss, dass sie damit Probleme hat. Als sie dann lachend und winkend auf mich zuläuft, kann ich es kaum glauben. Ich habe sie selten so happy gesehen. Wir fallen uns in die Arme. Sie hat 3,5 Stunden für den Halbmarathon. Das muss reichen. 

Ich pendle mit der gratis Fähre zwischen den beiden Ufern um sie auf der anderen Seite des Sees ein zweites Mal auf der Laufrunde zu sehen. Dort warten auch meine Eltern.

Nach 7 km das gleiche Bild. Lachen und Winken. Ich bin baff. So locker habe ich sie noch nie laufen gesehen und das soll sich bis zum Zieleinlauf nicht mehr ändern.

Erster 70.3 auf einer sehr harten Strecke bei 34° und dann mit so viel Spaß und Lockerheit. Ich weiss nicht, wo sie das hergenommen hat. Richtig geil abgeliefert!

Checkin

Der Bike Checkin ist etwas stressig, da ja Samstags das 70.3 Rennen stattfindet und somit erst nach dem Rennen und dem Checkout der Athleten, der Checkin der Langdistanz beginnen kann. Hat aber gut funktioniert.

Bike Checkin

So doof ich im Prinzip das IRONMAN Athleten Ranking – All World Athletes – finde, hat es für die AWA-Athleten schon ein paar nette Vorteile. Zum einen bekam ich durch meinen Gold-Status die Startnummer 15. Da es bei der Langdistanz kein Profifeld gab, kamen diesmal die normalen Starter in den Genuss der niedrigen Nummern.  Kein Vorteil, aber irgendwie cool. Man fühlt sich wie ein Profi. Weit größer ist der Vorteil in der Wechselzone. Der Radstellplatz direkt am Ausgang bietet schon einen Vorteil, da man sein Rad nicht so weit schieben muss. Außerdem hängen an den AWA-Ständern nur 6 statt sonst 8 Räder, so daß man etwas mehr Platz hat.

Raceday – Ironman Vichy

Das Schwimmen

Die Schwimmstrecke des Ironman Vichy kann einfacher nicht sein. Der Lac d’Allier ist eine Regattastrecke. Es geht also kerzengerade an der Promenade entlang, Wende und dann kerzengerade zurück. Erleichtert wird das ganze noch durch kleine Bojen, die alle paar Meter angebracht sind. Verschwimmen ist hier wirklich schwierig. Eine Besonderheit ist der Start. Man springt von einem kleinen Ponton in den See.

Der Wecker klingelt um kurz nach 3. Ich habe tatsächlich fast 7 Stunden geschlafen.

Wir fahren zum Start und ich spule die Vorbereitung wie im Schlaf ab. Da hilft dann die Routine.

Ironman Vichy Schwimmstart

Ich reihe mich in die Aufstellung für den Rolling Start ein. 1 Stunde ist die Zielzeit. Dann geht es ganz schnell. Es ist noch dunkel als ich gegen 6:30 vom Ponton ins Wasser springe und los kraule. War vielleicht nicht so clever eine getönte Schwimmbrille anzuziehen. Ich sehe nur die Lichter auf der Promenade und sonst nichts.

Aber ich komme richtig gut voran und überhole auf den ersten 500m einige Schwimmer vor mir. Als dann die Sonne aufgeht, sehe ich auch endlich etwas. Es läuft gut und recht entspannt. Durch den Rolling Start kommt man sich kaum ins Gehege. Ich finde immer ein paar Füße um im Wasserschatten ein paar Körner zu sparen. Läuft!

Kurz vor dem Exit sehe ich Michelle und meine Eltern am Ufer und winken. Sie sehen mich aber im Gegenlicht der aufgehenden Sonne nicht.

Als ich aus dem Wasser steige und die Uhr stoppe, steht dort 1:01. Für mich ist das eine super Schwimmzeit, auch wenn ich insgeheim gehofft habe, endlich mal unter einer Stunde zu schwimmen.

Highway to hell – Das Radfahren

Ich wechsel auf’s Rad und gebe auf dem ersten flachen Stück Gas. Ich weiss, dass es nicht lange flach bleiben wird. Dann geht es bergauf, bergab und recht verwinkelt aus der Stadt raus. Die Bodenwellen stellen sich auf dem Rad als gar nicht so schlimm heraus. Man kann sie ohne die Geschwindigkeit zu reduzieren fahren. Ätzend ist allerdings der Asphalt, der so rau ist, dass das Rad permanent durchgerüttelt wird. Ein bisschen wie feines Kopfsteinpflaster.

Ich kann die Leistungsvorgaben von meinem Coach gut umsetzten. Werde allerdings bei Kilometer 20 von einem Athleten meiner Altersklasse überholt. Nicht gut.

Dann geht es auf die große Runde, die es 3 mal zu fahren gilt. Es kommt der erste lange Anstieg. Zum Glück ist es noch relativ kühl.

Die ständigen Anstiege und Abfahrten sorgen dafür, dass man nie wirklich in einen konstanten Tritt kommt. Ständig geht es in den Oberlenker, um dann wieder zu beschleunigen und in die Aeroposition zu wechseln. Ich kann immer mal wieder einzelne Fahrer überholen, werde aber auch selbst von kleineren Grüppchen überholt, an die ich mich dann phasenweise heften kann. Ein Gutes hat die Radstrecke: es wird kaum Windschatten gefahren. Gut, die Abschnitte, in denen sich das lohnen würde, sind auch rar gesät.

Dann kommt die lange Serpentinenabfahrt und man kann sie überraschend gut und flüssig mit dem Zeitrad fahren und das sage ich als schlechter Radtechniker. Dann folgt eine langes flaches Stück in dem man Tempo machen kann. Nach der ersten Runde zeigt der Tacho eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 33 km/h. Schneller als ich im Vorfeld erwartet habe.

Ironman Vichy Radkurs

Es folgt die zweite Runde. Es ist jetzt deutlich wärmer. Die Sonne hat ordentlich Power und es wird anstrengender. Zudem bekomme ich durch das permanente vibrieren des Rades durch den schlechten Straßenbelag Schmerzen im unteren Rücken. Ich freue mich irgendwann sogar auf die Steigungen, weil ich dann in den Oberlenker wechseln und meinen Rücken etwas entspannen kann. Der Tacho zeigt 90km. Halbzeit. Ich habe keine Lust mehr. Die Beine werden schwer. Jetzt schon. Mist. Trotzdem kann ich auch die 2. Runde ähnlich der ersten beenden. Der Tacho zeigt 33,4 km/h. 

Dann geht es auf die dritte Runde und es kommt der erste Anstieg. Mir geht langsam der Saft aus. Die Leitungsvorgaben kann ich nicht mehr halten. Es ist mittlerweile verdammt warm. An jeder Verpflegungsstelle fülle ich mein Wasser auf und schütte mir den Rest über den Rücken. Auch unterwegs spucke ich immer wieder einen Wassernebel in den Fahrtwind um mich etwas abzukühlen.

Um mich herum sind nur noch Teilnehmer, die ich überrunde. Die Grüppchen und Fahrer, die auch auf der 3. Runde sind, musste ich alle ziehen lassen. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Mein Rücken bringt mich um. Ich schwöre mir innerlich, nie wieder in Frankreich einen Wettkampf zu machen. Von Podium und Hawaiislot verabschiede ich mich.

Ich bin bei Kilometer 150 als mir auf einer Abfahrt etwas zwischen die Beine fällt und auf den Boden knallt. Durch die permanente Vibration habe sich die Schrauber meiner Toolbox gelöst und diese hat sich gerade verabschiedet. Da sich darin aber mein Pannenmaterial befindet und das ganze Ding samt Inhalt 100 € wert ist, halte ich an, laufe zurück und sammle das Teil wieder ein. Ich versuche es irgendwie zu fixieren. 5 km später das gleiche Spiel. Als die Box bei Kilometer 170 das dritte mal auf die Straße fliegt, habe ich die Schnauze voll. Ich sammle sie ein und lege sie auf eine Gartenmauer, hoffentlich ist sie noch da, wenn ich sie abhole (Anmerkung: sie war tatsächlich noch da). 
Jetzt bloß keinen Platten auf den letzten 12 km. Das wäre dann richtig Scheisse.

Ich bekomme keinen Platten. Stattdessen springt mir 2 Kilometer später die Kette beim Schalten vom Kettenblatt und verfängt sich zwischen Kurbel und Rahmen. Chainsuck! FUCK! Ich bin mega angepisst. Springe vom Rad, reisse die Kette ohne Rücksicht auf den Rahmen aus der Verklemmung und lege sie wieder auf’s Kettenblatt. Das kann doch alles nicht wahr sein.

Das Adrenalin sorgt dann aber zumindest dafür, dass ich die letzten Kilometer zur Wechselzone relativ zügig fahre.

Dann der nächste Schock. An der Einfahrt zum Eventgelände hat ein Auto beim linksabbiegen einen Teilnehmer vom Rad geholt! Ich sehe nur die zuckenden Beine des am Boden liegenden Fahrers. Mir wird schlecht. Wie kann so eine Scheisse bitte passieren! Das darf einfach nicht sein. Hier hat irgendjemand extrem versagt. An dieser Stelle alles Gute an den Verunfallten. Ich hoffe, es ist nicht so schlimm, wie es aussah. Ich bin wirklich zutiefst erschüttert. Hier muss von Seiten des Ironman Vichy nachgebessert werden!

An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass mir auf der 3. Runde in einer Abfahrt auf einer voll gesperrten Strecke zwei Autos entgegen kamen. Auch das darf nicht sein! Hier müssen die Streckenposten wirklich besser aufpassen.

Aber zurück zum Rennen. Ich bin heilfroh, dass ich vom Rad steigen und endlich meinen Rücken entlasten kann. Aber nach Marathonlaufen ist mir auch nicht zu mute. Mein großes Ziel ist ein Sub3 Marathon. Aber bei sengender Hitze und vielen Passagen in der prallen Sonne, glaube ich nicht daran.

Run boy, run!

Ich laufe los und treffe nach den ersten 1000m meine Supportcrew. Ich liege gar nicht so schlecht, wie gedacht. Ich bin sehr überrascht als ich höre, dass ich 5. bin. 

Aber ich fühle mich nicht gut. Das Laufen fällt mir arg schwer und ich weiß, dass ich den niedrigen 4er Pace nicht lange halten werde. Da hilft dann die Erfahrung von über 30 Marathon läufen. Ich kann relativ gut einschätzen, was da noch geht. Bei Kilometer 5 treffe ich wieder auf Michelle und meine Eltern. “Du bist 5., 5 Minuten Rückstand auf den Vierten!”. Ich winke resignierte ab, denn in diesem Moment werde ich von einem Läufer meiner Altersklasse überholt und der macht einen sehr lockeren Eindruck.

Ironman Vichy Laufenstrecke

Ich hefte mich trotzdem an seine Fersen und kann ganz gut mithalten. 2000m später fasst er sich das erste Mal an die Seite. Ich weiss, was das bedeutet: Seitenstechen. Beim Anstieg auf die Brücke, die über den Fluss führt, ziehe ich das Tempo etwas an und laufe an ihm vorbei. Am Ende der Brücke sehe ich ihn nicht mehr. Schachmatt!

So fies es ist, mir gibt dieser Erfolg mentalen Rückenwind. Auf einmal läuft es, wenn auch nicht so schnell wie gewünscht, aber ein 4:20er Pace ist für die Hitze schon ganz okay.

Ich laufe vor auf den 4. Platz. Habe aber noch 8 Minuten Rückstand auf den Dritten, der nur 15 Sekunden langsamer läuft als ich. Da reichen die kommenden 20 km nicht aus um das aufzuholen. Außerdem muss ich ja auch erstmal so konstant weiterlaufen.

Ich fühle mich aber mittlerweile erstaunlich gut. Die Beine sind locker. Lediglich die Hitze bremst mich. Deswegen bleibe ich an jeder Verpflegungsstelle stehen, lasse mich komplett nass machen. Trinke viel Wasser mit Salz und laufe dann weiter.

Und dann kommt das, was man vom Marathon kennt. Der Mann mit dem Hammer. Allerdings nicht für mich, sondern für die zwei Athleten meiner Altersklasse vor mir. Ich habe nicht nur die 8 Minuten zugelaufen, sondern auch relativ schnell einige Minuten Vorsprung. Hochgefühl. Adrenalin. Endorphin. 

Letzte Runde und die Beine sind immer noch locker. Ich bleibe bei meiner Strategie an den Verpflegungsstellen und bin mir recht sicher, dass ich das Ding nach Hause bringe.

Ironman Vichy Zieleinlauf

Als ich in den Zielkanal einbiege bricht pure Freude aus. Was für ein Rennen. Unglaublich.

Die Uhr steht bei 9:32:07. 2:57:43 für den Marathon. Viertschnellste Marathonzeit des Tages. Auch wenn die Strecke deutlich zu kurz ist, bin ich richtig zufrieden mit der Performance. Ich habe das Ding beim Laufen echt nochmal rumgerissen. Podium. Hawaii Slot. Richtig geil! 

Mein Fazit zum Ironman Vichy

Wieder einmal zeigt sich, dass die alte Weisheit “es ist erst zu Ende, wenn es zu Ende ist” wahr ist. Gerade auf der Langdistanz kann so viel passieren. Man verliert nur dann, wenn man den Mut verliert und diesmal war ich kurz davor. Man sollte die Psyche in einem solchen Rennen nicht unterschätzen. Der Kopf entscheidet!

Mit der viertschnellsten Marathonzeit im Gesamtfeld habe ich es tatsächlich geschafft mich noch aufs Podium zu laufen. Nach Frankfurt 2018 also wieder der 2. Platz!

Finisher Medaille

Zum Rennen selbst muss ich sagen, dass der Ironman Vichy unter’m Strich viel schöner als erwartet war. Auch die Radstrecke war eigentlich ganz cool. Das größte Manko ist für mich der Straßenbelag. Der hat mich, meinen Rücken und meine Toolbox reichlich mitgenommen.

Das Drumherum beim Ironman Vichy ist super. Die Helfer sind alle super freundlich, auch wenn viele nur wenige Brocken englisch sprechen. Auch der Support an der Streck war top. Vor allem auf der Laufstrecke wird jeder mit Namen angefeuert. Da kann man nicht meckern. Auf der Radstrecke gibt es sogar eine kleine Version des Solarer Berg.

Auch die Finisher Party am späten Abend, wo die letzten Athleten ins Ziel geholt werden war klein, aber super ausgelassen. Dazu noch ein kleines Abschlussfeuerwerk. Schönes Ding!

So, und jetzt hole ich mir meine Trophäe und meinen Slot für Hawaii 2020! KONA, baby! 

Ironman Vichy Siegerehrung

Hier geht es zu den Strava Aktivitäten:

Infos zum Ironman Vichy auf der Veranstalter Webseite

IRONMAN HAWAII – Tag 10 – Race Day

ironman_hawaii_finish

Ich bin die Nacht zweimal wach geworden. Draußen gießt es in Strömen. Ich träume davon, dass wegen Gewitter aus dem IRONMAN Hawaii ein Duathlon wird.
Der Wecker klingelt um 2:45. Der Regen hat aufgehört. Mal gucken, was das Wetter heute so bringt. Die Wettervorhersage hat ja Regen und Gewitter mit Überflutungen angekündigt.
Ich spule das Pre-Race Programm runter. Duschen, dann der erste Kaffee seit 4 Wochen (YEAH!), 5 Toast mit Honig, fett mit Sonnencreme eincremen, anziehen und los geht’s zum Start.
Michelle, Tini und Marvin begleiten mich.

Check In

Hinter dem Kona Beach Hotel stelle ich mich in die Schlange zum Body-Marking. Pünktlich um 4:45 öffnen sich die Tore. Alles ist perfekt durchorganisiert. Hunderte von Helfen leiten die Athleten durch die einzelnen Stationen. Ich bekomme von einer netten älteren Dame meine Startnummer auf die Unterarme geklebt. Dann werde ich gewogen (nach dem Rennen allerdings nicht mehr, Sinn?) und kann zu meinem Rad. Aufpumpen, kurzer Check. Passt.
Jetzt habe ich noch ein Stunde Zeit und geselle mich zu Michelle, Tini und Marvin. Auf den Weg dorthin läuft mir noch Sebastian Kienle über den Weg. “Ich will einen Sieg sehen!” – “Ich hoffe doch von mir!” – “Klar!”. Ich mag ihn, er hat ne coole Art.
Irgendwann begebe ich mich wieder in die Wechselzone und schaue den Start der Profi-Männer. Ich stehe direkt hinter der Kanone. Als die US-Hymne gesungen wird, bekomme ich schon etwas Gänsehaut und als dann die Kanone donnert und ich im Pulverrauch stehe, muss ich aufpassen, dass die Emotionen nicht mit mir durchgehen.

Ironman Hawaii – Swim

Ich dackele zum Schwimmeinstieg und treibe mit 1600 anderen Age-Groupe-Männern eine viertel Stunde an der Startline und warte auf unseren Startschuss. BOOM! Es geht los!
Hell brakes lose! Dies ist mein erster richtiger Massenstart und ich hoffe, mein letzter.
Was folgt sind eine gute Stunde Schlägerei. Ich bekomme einen tritt in die Nieren und dreimal ordentlich eine auf die Brille. Hier zieht keiner zurück. Hier zählt das Recht des Stärkeren. Ich finde es scheisse. Ich versuche immer wieder aus dem Getümmel zu entkommen. Aber ständig schlägt mir jemand auf die Füße. Ich bin total entnervt. Komme nicht in den Rhythmus. Was sind denn das alles für Assis?! Man kann ja mal jemandem auf die Füße hauen, aber dann ziehe ich doch zurück oder versuche ein bisschen seitlich zu schwimmen. Nein, hier nicht. Nach 1:09:02 steige ich aus dem Wasser. Mit der Zeit bin ich nicht zufrieden. Aber was soll’s, Hauptsache einigermaßen heil und unverletzt überstanden. Jetzt kann das Rennen anfangen.

Der Schwimmausstieg des IRONMAN HAWAII

Ironman Hawaii – Bike

Ich wechsele auf’s Rad. Die Radstrecke ist gar nicht so voll wie befürchtet. Man kann einigermassen fair fahren. Wobei sich immer mal wieder ein Pulk aufstaut, aber das lässt sich bei einem Massenstart schwer verhindern. Es geht erst den Ali’i Drive hoch und wieder zurück bevor wir auf den Queen K Highway Richtung Hawi abbiegen. Tja, was soll ich jetzt groß schreiben. Man fährt auf dem Queen K auf einer fast geraden Strasse durch die Lava-Felder. Die Strecke ist ziemlich hügelig, hoch nach Hawi auch mal etwas steiler. Kurz, die Strecke ist verdammt langweilig. Es ist fast wie Rolle fahren.
Heute gibt es kaum Wind, was das Radfahren deutlich erleichtert. Ich merke aber schon nach einer Stunde, dass das nicht mein Rad-Tag ist. Ich bekomme nicht die Watt auf’s Pedal, die ich mir vorgenommen habe. Ich fahre mit deutlich weniger Power als in Frankfurt. Aber meine Oberschenkel brennen schon und ich will lieber nicht zu viel riskieren.

180km durch die Lava

Das Rennen empfinde ich als recht fair. Es wird wenig Windschatten gefahren. Aber die Kampfrichter fackeln auch nicht lange. Im ersten Penalty-Zelt stehen bestimmt 20 Leute und sitzen ihre Zeitstrafe ab. Irgendwann donnern auf der gegenüberliegenden Seite die Profis an uns vorbei. Ich sehe Lange vorne im Feld, aber wo ist Sebi? Der hat nach der Hälfte der Strecke schon deutlichen Rückstand. Was ist da los?
Richtung Hawi ziehen Wolken auf. Es nieselt für etwa eine Minute. Das war’s dann auch mit Unwetter. Ab Höhe Flughafen ist wolkenloser Himmel angesagt und sengende Sonne.

Nach sonst ereignisarmer Radfahrt erreiche ich Dank der Windstille nach 4:56:45 Stunden zum zweiten Wechsel das Pier. Die Zeit liest sich auf dem Papier ganz gut, aber auch hier bin ich nicht richtig zufrieden. Ich wollte aber auch nichts riskieren. Ankommen ist die Devise!

Ironman Hawaii – Run

Auch auf der Laufstrecke geht es erstmal eine Runde über den Ali’i Drive. Es ist verdammt warm. Die Sonne strahlt bei wolkenlosem Himmel. Na toll, ich hatte mich schon auf den Regen gefreut. Naja, vielleicht kommt er ja wie die letzten Tage gegen Nachmittag. Die ersten 10 Kilometer laufen eigentlich nach Plan. Pace zwischen 4:30 und 4:40. Nur nicht überzocken. An der Strecke gibt es durch Bäume und Häuser auch immer mal wieder Schatten und die Anwohner stehen mit ihren Gartenschläuchen an der Strecke um uns eine kleine Abkühlung zu verschaffen.
Nach der Kona-Runde gehte es hoch auf den Queen K Highway. Die Straße dorthin ist steil. Viele Athleten gehen. Ich will nicht gehen, also trabe ich die Strasse gemächlich hoch.

Und es geht wieder auf den schnurgeraden Highway. Vor mir sehe ich eine Perlenkette aus Menschen. Krass, sind da viele vor mir. Aber das ich halt kein normaler Ironman. Hier sind eben nur die Besten. Aber ein bisschen zieht es mich schon runter, dass ich so weit hinten bin.
Auf dem Highway brennt die Sonne. Die Wettervorhersage hätte falscher nicht sein können. Es ist keine Wolke am Himmel und der fehlende Wind, der sonst für etwas Abkühlung sorgt, macht die Lavawüste zum Glutofen mit hoher Luftfeuchtigkeit. Das ist nicht mein Wetter.

Die letzten Meter zum Ziel

Nach kurzer Zeit stürmt Patrick Lange auf der anderen Seite an mir vorbei. Alter, ist der krass unterwegs. Und dann kommt lange erstmal niemand. Der wird das Ding wohl wieder gewinnen? Wo ist Sebi? Wo ist Sanders? Keine Spur. Hätte ich nicht erwartet.
Das Laufen wird zäh und mühsam. Ich merke, wie mein Körper überhitzt. An jeder Verpflegungsstation überschütte ich mich mit Eiswasser, nehme Eis und gekühlte Schwämme. Wie geil es sein kann, wenn dir ein Stück Eis den Rücken runterläuft. Aber die Abkühlung hält nie lange an. Ich gehe, durch jeder Station. Kühlen, trinken, Gel, Koffein, kühlen. Das ist kein Marathon, das ist Überlebenskampf.
Irgendwann schnappe ich mir eine leere Gatorade Flaschen um diese immer wieder mit Eiswasser zu füllen. Damit bewässere ich mich zwischen den Versorgungsstation.
Wann kommt eigentlich die verfluchte Abzweigung zum Energy Lab? Und wie zur Hölle haben die es hier geschafft eine Strasse zu bauen, die in beide Richtungen immer bergauf geht?

Das Energy Lab

Irgendwann erscheinen die Sonnenkollektoren am Horizont. Endlich!
Wobei, auf was freue ich mich da eigentlich? Ich weiss ja, was mir da unten blüht.
Ich laufe den Berg runter an die Küste. Am Rand werden nasse Handtücher verteilt. Geil! Ich klemme mir eins unter die Mütze, damit wenigstens mein Nacken nicht total verbrennt. Zwei weitere schlinge ich mir um den Hals.
Die prognostizierte Marathonzeit fällt beständig von anfangs 3:16 auf 3:25. Ich korrigieren mein Minimalziel auf 3:45. Das wäre dann die Sub10.

Nach der Runde im Energy Lab geht es den verfluchten Berg wieder hoch. Das kostet alles so viel Kraft. Mir tut alles weh. Ich will eigentlich nur noch stehen bleiben. Da es aber nirgends einen Millimeter Schatten gibt, ist die Verlockung stehen zu bleiben dann doch nicht allzu groß. Die nächste Verpflegungsstation lockt mit frischem Eis.
Mit meinen Leidensgenossen schleppe ich mich über den Asphalt. Einige bekommen Krämpfe oder kotzen in die Lava. Warum machen wir das hier eigentlich? Ich laufe am Rande meiner Leistungsfähigkeit. Ich hoffe nur, dass ich nicht kollabiere. Das ist tatsächlich meine einzige Sorge. Hauptsache einigermaßen heil ankommen.
Es geht gefühlt immer bergauf. Und wo ist eigentlich der Regen? Oder der Wind? Der Asphalt brennt.

Es ist vollbracht!

Aber ich komme dem Ziel beharrlich näher. Ich zähle jeden Kilometer runter.
An der letzten Verpflegungsstation bei Kilometer 41 bleibe ich nochmal stehen und entsorge die ganzen Schwämme, die in meinem Anzug stecken, mach mich nochmal frisch und schließe den Reißverschluss des Einteilers. So viel Zeit muss sein für DEN Zieleinlauf.

IRONMAN HAWAII Zieleinlauf

Kurz vorm Ziel drückt mir Marvin eine St. Pauli Fahne in die Hand. Ich kann es nicht fassen, ich habe es irgendwie geschafft. Ich laufe durch den legendären Zielkanal wo hunderte Menschen jubeln. Mit Tränen in den Augen überquere ich die Ziellinie. “YOU ARE AN IRONMAN!” Die magischen Worte bekomme ich noch unterbewusst mit bevor ich auf die Knie falle. Ein Jahr der Entbehrungen und des Trainings finden hier ihren Abschluss. Ich kann es kaum in Worte fassen. Es ist einfach ein großer Moment.

Finishline Party

Am Abend schleppe ich mich mit Michelle total kaputt noch einmal zur Finishline. Ich finde es immer Klasse, die letzten Athleten ins Ziel zu holen. Diese haben meinen allergrößten Respekt, denn sie gehen bis zu 17 Stunden an ihr körperliches Limit. In der Zeit habe ich schon geduscht und einen Power-Nap gemacht. Die Szenen, die sich dort abspielen, sind echt inspirierend. So fällt an diesem Abend – nach Patrick Langes Fabel-Rekord – noch ein weiterer Weltrekord. Kurz vor Zielschluss kommt der älteste Hawaii Finisher aller Zeiten ins Ziel. Hiromu Inada aus Japan finished im Alter von 86 (!!!) Jahren. Was soll man da noch sagen?
Es ist ein perfekter Abschluss. Die Champions Lange und Ryf ehren die Letzten. Ein Traditioneller Feuertanz und die hawaiianische Hymne und dann ist er zu Ende, der 40. IRONMAN Hawaii.

Fazit

Ein unfassbar geiles Erlebnis. Es ist einfach unbeschreiblich.
Alleine der Anblick der Medaille lässt mich erzittern. Warum tut man sich das an? Ich habe ehrlich gesagt keine vernünftige Erklärung. Aber Kona ist eben der Olymp des Triathlon. Hier will jeder hin, hier will jeder mal finishen. Und ja, wenn man dann im Ziel ist ist es einfach nur mega geil.
Auch die ganze Atmosphäre in den Tagen vor dem Rennen ist magisch.
Würde ich nochmal starten? Ja, vielleicht in ein paar Jahren. Aber ich würde nicht mehr so verbissen auf die Quali hinarbeiten. Das Ziel ist erreicht. Es gibt noch viele andere schöne Rennen.

Mit meinem Rennen bin ich aus rein sportlicher Sicht nicht zufrieden. Platz 93 in der Altersklasse ist nicht unbedingt das, da hatte ich mir nach Frankfurt mehr ausgerechnet . Und das es mit der Sub10 geklappt hat, lag auch etwas an den verhältnismäßig einfachen Bedingungen auf der Radstrecke. Ich wäre insgeheim gerne 20 Minuten schneller gewesen. Schwimmen kann ich einfach nicht und werde es wohl auch nie mehr. Aber mit der Zeit bin ich wirklich unzufrieden. 15 Minuten auf den Großteil der Altersklasse zu verlieren, ist in einem Feld mit diesem Niveau tödlich. 5 Minuten weniger hätten es schon sein können. Aber heute habe ich in keiner Disziplin richtig gepunktet. Zum einen, weil ich auf dem Rad auf Nummer sicher gegangen bin, zum anderen, weil ich beim Laufen, meiner eigentlichen Stärke, nicht mit der Hitze klar gekommen bin. Ja, das mag jetzt alles bisschen doof klingen, aber am Ende ist es eben auch ein Wettkampf und ein Messen mit den Besten der Welt.
Okay, das war genug Mimimi…. und das war auch mein letzter Bericht, denn jetzt fängt der eigentlich Urlaub an. 3 Wochen auf Kauai und Big Island.

Danke für eure Anteilnahme, für’s Daumendrücken, die Wünsche und Glückwünsche!
Vielen Dank an die ganzen Verrückten, die sich wegen mir die Nacht um die Ohren geschlagen haben!
Danke an meinen Coach Mättz. Danke an Tini & Marvin, die zum Supporten ihre US-Tour unterbrochen haben!
Ein riesen Dankeschön an meine Eltern, die mit uns auf diese schreckliche Insel geflogen sind!
Und Danke an Michelle für das Jahr der Entbehrungen!

You never swim, bike and run alone!

Infos zum Ironman Hawaii auf der Veranstalter Webseite

IRONMAN HAWAII – Tag 9 – Bike Checkin

Ich stehe wie jeden Morgen um 4 Uhr auf und mache sinnloses Zeug am Rechner. Heute ist der Bike Checkin.
Dann fahren wir nochmal an den Dig Me Beach. Ich schwimme eine kurze Runde und wir lassen uns nochmal am Clif Coffee Boat fotografieren. Cooler Service!
Dann geht es wieder heim. Ich verbummel den Tag damit meine Wechselbeutel zu packen, das Rad fertig zu machen und die Checkliste zum dritten Mal abzuhaken.

Dann fahr ich mit dem Rad eine finale Runde um den Block und laufe anschliessend nochmal 10 Minuten um die Beine daran zu erinnern, dass sie morgen einiges vor sich haben. Nach den gut 2 Kilometern bin ich schweissgebadet.
Gegen halb 4 packe ich meine Siebensachen in den Jeep und wir fahren zum Bike Checkin. In der Schlange steht Cameron Wurf neben mir. Ja, auch die Profis müssen Schlangestehen.

Schlangestehen beim Bike-Checkin

Nach dem Bike-Check bekommt jeder Teilnehmer einen persönlichen Betreuer. Meine Betreuerin führt mich und mein Rad zu meinem Stellplatz, dann zeigt sie mir die Laufwege zu den Wechselbeuteln, die ich an ihren Platz hänge und das wars. Kurz und schmerzlos.
Nach Verlassen der Wechselzone schiebt Patrick Lange sein Rad an uns vorbei, belagert von einer Traube an Presse und Fans.

Wir fahren in unser Domizil zurück. Ich schreibe diesen Bericht und werde mich dann ordentlich mit Pasta vollstopfen. Um 20 Uhr geht’s ins Bett, denn um 3 klingelt der Wecker… für den längsten, wichtigsten und hoffentlich geilsten Tag des Jahres!