New York City Marathon 2019

New York City Marathon Beitragsbild

Dash to the Finish Line

Am morgen vor dem New York City Marathon findet der 5 Kilometer “dash to the finish line”-Lauf statt.
Es geht vom UNO Hauptquartier durch die Häuserschluchten Manhattans, vorbei an der Grand Central Station und dann über die 6th Avenue in den Central Park zur Ziellinie des New York City Marathon.

Logistisch etwas schwierig, da die Gepäckabgabe am Ziel ist. Das heißt, entweder morgens sehr früh zum Ziel, Beutel abgeben und dann 45 Minuten zum Start laufen oder mit der U-Bahn direkt zum Start fahren. Wir entschieden uns lieber etwas länger zu schlafen und in unseren Laufsachen direkt zum Start zu fahren. Das Problem ist nämlich, dass es morgens in New York verdammt kalt ist. Der Wind, der durch die Straßen pfeift, macht es noch unangenehmer. Zum Glück hatten wir genug alte Pullis mitgenommen, die man am Start in die Altkleidersammlung entsorgen kann. So blieben wir einigermaßen warm.

Weit über 10000 Läufer sammelten sich in der morgendlichen Sonne am East River um dann in mehreren Wellen auf die Strecke zu gehen.
Wenn auf den Straßen keine Autos fahren, merkt man erstmal wie breit diese sind. Trotz der Menschenmenge hat man super viel Platz zum Laufen.

Ich lief zusammen mit Michelle und wir ließen es sehr locker angehen. Just for fun. Genießen und ein paar Fotos schießen.
Ist schon sehr geil auf das Empire State Building zuzulaufen, während sich die aufgehende Sonne in den Glasfassaden spiegelt.
Zuschauer gab es kaum am Streckenrand, so dass es recht ruhig war. Das hat aber auch seinen Reiz.

dash to the finish line

Nach einer kleinen Schleife durch den Central Park gelangt man dann auf die letzten Meter der Marathonstrecke. Und ich muss sagen, dass ich vom Zieleinlauf des größten Marathon der Welt schon etwas enttäuscht war. Verglichen mit Boston, Berlin, London oder auch Frankfurt ist er wirklich unspektakulär.

Nach dem Lauf bekommt man noch eine kleine Tüte mit etwas Verpflegung in die Hand gedrückt. That’s it. Ach ja, eine schicke Pudelmütze bekommt man auch noch, die den stolzen Startpreis von 50$ noch etwas relativiert.

Wenn man beim New York City Marathon startet, dann sollte man den “dash to the finish line” nicht verpassen. Denn was man beim Marathon nicht geboten bekommt, ist der Lauf durch die Straßen von Manhattan! Und alleine das ist es allemal wert!

Der lange Weg zum Start

Am Abend vor dem New York City Marathon fallen wir schon früh total erschöpft ins Bett.
In New York läuft man sich die Füße wund. Es gibt so viel zu sehen und so kommen schnell einige Kilometer zusammen, auch wenn man die U-Bahn nutzt. Das ist natürlich nicht die optimale Vorbereitung auf einen Marathon, aber das war uns vorher schon klar.

Der Wecker klingelt um kurz vor 4 und das obwohl unser Start erst um 10:30 ist. Verrückt, aber leider notwendig, denn der Weg zum Start ist weit. Dank der nächtlichen Zeitumstellung haben wir wenigstens eine Stunde Schlaf geschenkt bekommen (Lustig, denn das Gleiche war ja die Woche zuvor beim Frankfurt Marathon auch der Fall).

Wir ziehen uns an, frühstücken und fahren dann die erste Etappe mit dem Bus zur Metro um mit dieser zur Staten Island Ferry zu fahren. Natürlich fahren wir erstmal in die falsche Richtung. Die New Yorker U-Bahn ist wirklich nicht so einfach zu durchschauen. Ist aber halb so schlimm, denn auf die richtig Bahn mussten wir sowieso noch 20 Minuten warten.
So kommen wir um 6 Uhr an der Fähre an. Im Dunkeln strömen die Läufer zum Anleger. 
Im Vorfeld wurde man festen Fähren zugeordnet, was jetzt aber zum Glück keinen mehr interessierte und wir eine etwas spätere Fähre nehmen konnten.

Die Überfahrt nach Staten Island ist immer wieder spektakulär. Doch am Marathon-Morgen war es etwas ganz besonderes. Eine riesige Fähre voll mit Sportlern, der Blick auf Manhattan, die Fahrt vorbei an der Freiheitsstatue und die aufgehende Sonne über Staten Island und der Verrazano Bridge. Das ganze begleitet von Booten der Coast Guard, in amerikanischer Manier natürlich mit Maschinengewehr bestückt.
Was für eine Kulisse.

Staten Island Ferry

Generell sind die Sicherheitsmaßnahmen enorm. Unglaublich viel Polizei, Counter-Terrorism, Spürhunde, alle Zufahrtsstraßen blockiert und man wird mehrfach durchsucht und abgescannt.

In Staten Island angekommen, steht man dann in einer riesigen Schlange und wartet darauf die letzte Etappe mit Bussen zum Start gefahren zu werden.
Es ist zwar strahlend blauer Himmel, aber es ist windig und es hat nur 4°C. Wir sind dick in alte Klamotten eingepackt, aber trotzdem um jede Minute im warmen Bus dankbar.

Das lange Warten auf der Start

Am Startareal angekommen, werden nochmals alle Taschen durchsucht bevor man in seinen Startbereich darf. Das Startareal ist riesig und in drei Blöcke unterteilt und jeder Läufer einem dieser Bereiche zugeteilt. Insgesamt gibt es 4 Startwellen mit jeweils 8 Startblöcken, in denen aus jedem Block die Läufer auf unterschiedlichen Wegen auf die Strecke gebracht und erst nach einigen Kilometern zusammengeführt werden. Da bekommt man ungefähr eine Idee von der Dimension des New York City Marathon, der mit über 52000 Startern der größte Marathon der Welt ist.

Michelle und ich haben glücklicherweise den gleichen Startblock, so dass wir zusammen auf den Start warten können. Ich habe außerdem angeboten nicht in der mir zugewiesenen ersten Welle zu starten, sondern mit Michelle in der dritten Welle auf die Strecke zu gehen.
Wir haben also gute 2,5 Stunden Zeit bis zum Start.

Netterweise bekommen wir von einer Deutsch-Amerikanerin eine Rettungsdecke geschenkt, auf die wir uns setzen können. Zusätzlich kann ich noch eine Isomatte ergattern, welche von einem Sponsor des Marathon verteilt werden.

Basislager

Generell gibt es reichlich Verpflegung in Form von Bagels, Waffeln, Obst, Tee, Kaffee und Wasser. Das ist bei der langen Wartezeit aber auch absolut notwendig.

Wir können nicht oft genug betonen, was wir für ein Glück mit dem Wetter hatten. Wenn ich mir vorstelle, das ganze bei Regen aussitzen zu müssen – Katastrophe.
So kauerten wir also auf unserer Isomatte unter freiem Himmel und verbrachten die Zeit mit quatschen, zittern und essen. Am Ende haben wir es dann sogar geschafft uns so zu verquatschen, dass wir in unseren Startblock rennen mussten und dieser direkt nach uns geschlossen wurde.

Wir hatten auch in einem weiteren Punkt Glück: unser Startblock startete auf der obersten Etage der Verrazano Bridge. Die Brücke hat nämlich 2 Etagen und oben ist die Aussicht deutlich schöner.

Der New York City Marathon

Man bewegt sich mit ca. 5000 Läufern seiner Startgruppe zum Startbereich. Aus den Boxen dröhnt Frank Sinatra mit “New York” und dann geht es mit Konfetti auf die Strecke und auf die 2 Kilometer lange Brücke, die Staten Island mit Brooklyn verbindet. Der New York City Marathon geht ja durch alle Stadtteile – die so genannten Boroughs – Staten Island, Brooklyn, Queens, die Bronx und Manhattan.

Der Start über die Brücke bedeutet natürlich, dass der Marathon bergauf startet, denn man muss ja erstmal die Brücke hoch. Ich verabschiede mich von Michelle und laufe zügig los. Ich fräse mich relativ schnell durch das Feld, da ich schon deutlich schneller unterwegs bin als der Rest des Feldes. Wir bewegen uns im Bereich der 4,5 Stunden Finisher. Auf der Mitte der Brücke nehme ich mir die Zeit für ein paar Fotos. Ich habe mir ja generell vorgenommen die Atmosphäre zu genießen und vielleicht ein paar schöne Bilder mitzunehmen.

Verrazano Bridge
noch mehr Brücken

Am Ende der Brücke habe ich die Spitze des Feldes erreicht und kann auf den mega breiten Strassen von Brooklyn super locker meinen Pace laufen. Ich bin ziemlich überrascht, dass so wenig los ist. Das soll sich allerdings bald ändern.
Denn zum einen biegen die zwei anderen Startblöcke auf die Strecke ein und zum anderen ich laufe auf die 2. Startwelle auf, die 20 Minuten vor uns gestartet ist. Ich laufe in eine Wand von Menschen. Es ist mit einem Mal unfassbar voll und eng. Im Zickzack laufe ich durch die Menge, muss aber immer wieder abstoppen um nicht mit anderen Läufer zu kollidieren. Schon jetzt gehen(!) einige. Das ist in den USA nichts ungewöhnliches. Bei einem Zielschluss jenseits der 9 Stunden Marke kann man einen Marathon halt auch relativ gemächlich gehen.

Die Stimmung an der Strecke ist Bombe. Die Straßen sind gesäumt von Zuschauern. Ich nehme mir die Zeit und klatsche unzählige Kinder und Erwachsene ab, die sich darüber mega freuen. So frenetische Zuschauer, habe ich bisher nur in England erlebt. Absolut sportbegeistertes und sportverrücktes Land.

Trotzdem bin ich zeitweise mega angepisst, weil ich einfach nicht meinen Stiefel laufen kann. Als es dann in Brooklyn auch noch auf etwas engere Straßen geht, verschlimmert sich die Lage sogar noch, so dass ich teilweise zum Gehen gezwungen werde. Immer wieder muss ich abstoppen.
Irgendwann denke ich mir: scheiß drauf, und verlagere mich auf’s Bilder machen und Abklatschen.

Queensboro Bridge
Queens

Das witzige ist, dass die Startnummern fortlaufend nach Startreihenfolge vergeben sind. So schaue ich zwischenzeitlich immer mal wieder in welchem Nummernkreis ich mich gerade bewege. Ich bin im Feld der 39000er Startnummern gestartet. Am Ende überqueren 13000 Läufer vor mir die Ziellinie. Das bedeutet, dass ich fast 26000 Menschen überholt habe. Das ist 2,5 mal das Gesamtfeld des Frankfurt Marathon. Unglaublich.

Das Problem ist allerdings, dass dieser sehr ineffiziente Laufstil ganz schön Körner kostet. Das ständige Abbremsen und über irgendwelche Beine springen geht gut in die Oberschenkel. Als wäre New York nicht schon schwer genug. Denn neben der kräftezehrenden Warterei am Morgen und den nicht wenigen Höhenmetern durch die ganzen Brücken, kosten auch die Straßen richtig Kraft, da sie in einem enorm schlechten Zustand sind. Außerdem stecken mir ja noch die 42 Kilometer von Frankfurt in den Beinen, die ich eine Woche zuvor abgerissen habe.
Ich merke also schon bei Kilometer 30, dass das heute wehtun wird.

Bronx

Die letzte Brücke der Strecke – rüber in die Bronx – ist kurz, aber die Auffahrt knackig und recht steil. Hier gehen mittlerweile sehr viele. Die Stimmung in der Bronx ist super gut und trägt einen Richtung Central Park.
Dort angelangt sind es immer noch gute 6,5 Kilometer bis zum Ziel. Die 5th Avenue ist vollgepackt mit Zuschauern, die zum Teil schon fast hysterisch sind und einen so krass anbrüllen, dass es in den Ohren schmerzt.

Central Park

Die letzten Meter der Strecke kenne ich ja bereits vom Vortag. Wie gesagt, unspektakulär. Kurze Zielgerade, schmale Straße, kein Zielbogen. Aber ich bin wahnsinnig froh, endlich im Ziel zu sein. Ich bin doch ziemlich fertig.

Finish Line

Was nun folgt ist richtig ätzend. Im Gänsemarsch geht es durch den Zielbereich. Dieser zieht sich über einen Kilometer von der 67th bis zur 77th Straße. Auf dem Weg bekommt man seine Medaille, eine Rettungsdecke und einen Beutel mit etwas Verpflegung.
Man kann sich in NY entscheiden, ob man einen Kleiderbeutel abgeben will oder stattdessen einen Poncho nimmt. Ich habe mich für den Poncho entschieden. Aber ganz ehrlich, ich würde beim nächsten Mal lieber einen Beutel abgeben, denn so richtig warm ist der Poncho nicht, wenn man in seinen verschwitzten Klamotten im zugigen und kalten Manhattan rumsteht. Trotz des moderaten Wetters ist mir sau kalt.

Poncho Karawane

Dann geht es nochmal 1,5 Kilometer den ganzen Weg zurück Richtung Columbus Circle zur Meeting Area. Also 2,5 Kilometer für den Afterrace-Bereich sind schon hart. Michelle hat einen Beutel abgegeben und für sie war der Weg sogar nochmal einen Kilometer länger.
Zum Glück haben mir Freunde ein trockenes Shirt und eine Jacke mit zum Ziel gebracht, ansonsten wäre ich beim Warten auf Michelle wohl erfroren.
Als diese nach ihrer Odyssee durch die Wechselzone endlich eintrifft, bin ich heilfroh und wir machen uns ohne Umschweife auf den Weg ins Hotel.

Es war uns ein Fest, New York City!

Das Fazit zum New York Marathon

Ja, der New York City Marathon ist schon geil. Er ist der größte Marathon den es gibt, gehört zu den sechs Majors und wird nächstes Jahr 50. Er ist also ein Klassiker und alleine deswegen zurecht auf der Bucket-List vieler Läufer.

Es ist schon cool mit so vielen Menschen durch eine Weltmetropole zu laufen. Ich hätte nur in meiner Startgruppe starten sollen, dann hätte ich ihn etwas mehr genießen können.
Die Stimmung an der Strecke ist richtig gut. So etwas habe ich bisher nur in London erlebt.

Die Medaille des New York City Marathon

Aber man muss sich auch bewusst sein, dass das auch seine Schattenseiten mitbringt. Der lange Weg zum Start, die ewige Warterei in der Kälte, volle Strecke und lange Zielverpflegung. Was man auch nicht vergessen darf: Downtown Manhattan bekommt man nicht aus der Nähe zu sehen, denn der Marathon macht einen großen Bogen darum. Man bekommt einiges von der Stadt zu sehen, aber nicht das, was man sich auf einer Sightseeing-Tour anschauen würde. Das ist in Berlin, London, Paris oder Rom anders.
Auch die Startgebühr ist mit knapp 360$ schon echt heftig und das ist der Preis, wenn man direkt über die New York Road Runners einen Platz bekommt und nicht den Weg über einen Reiseveranstalter geht.

Ihr merkt, ich würde ihn nicht nochmal laufen. Abgehakt. Einmal reicht mir.
Aber in jedem Fall ein würdiger Lauf für meinen 30. Marathon.

Infos zum New York City Marathon auf der Veranstalter Webseite

IRONMAN Vichy – Ooops, I did it again

ironman_vichy_finishline

PreRace

Der erste Schock vor dem IRONMAN Vichy in Frankreich kam am Mittwoch vor dem Wettkampf, als die Wettervorhersage für das Rennwochenende in Vichy plötzlich von 26°C auf bis zu 36°C sprang. Also doch ein Hitzerennen, shit!

Als wir Donnerstags in Vichy ankamen, war es schon sehr warm.
Die Sonne hat richtig Kraft und strahlt uns vom wolkenlosen, blauen Himmel entgegen. Es ist schon jetzt sehr warm, obwohl das Thermometer die 30° Marke noch nicht erreicht hat. Wir holen unsere Startunterlagen ab, Michelle für ihre erste Mitteldistanz und ich für die volle. Die Expo ist recht klein und tatsächlich kaufe ich nichts… naja okay, bisschen Iso nehmen wir doch mit.

Startnummernausgabe

Zurück in unserem super schönen Appartement direkt am zentralen Park an der Oper bemerken wir ein weiteres Phänomen: Es wird nachts saukalt. Als wir am nächsten morgen mit dem Auto die Radstrecke abfahren, haben wir stellenweise nur 9°.

Und dann sehen wir die neue Radstrecke. Der IRONMAN Vichy warb mit seiner flachen, schnellen Radstrecke (zum Teil tut er das auf der Homepage immer noch!). Doch 3 Wochen nach unserer Anmeldung wurde eine neue Radstrecke bekannt gegeben. Flach? Am Arsch! Laut Open Street Map hat die Radstrecke 2000 Höhenmeter. Das IRONMAN offiziell von 1650 redet, ist eine Frechheit. Ich denke, man versucht dadurch die Athleten nicht zu sehr abzuschrecken. Aber es ist eine ziemlich miese Nummer. Als ich nach dem Rennen mit einigen Sportlern geredet habe, zeigte sich, dass wir alle zwischen 2100 und 2200 HM auf dem Radtacho hatten und die Strecke mit 182 km auch noch Überlänge hat.

Unsere Fahrt über den Radkurs versetzte uns dann etwas in Panik. Sehr lange Anstiege, kurvige Abfahrten, in den Ortschaften Bodenwellen vor den Zebrastreifen und der rauhe französische Asphalt, argh!
Wir steigerten uns gegenseitig so rein, dass uns wirklich Angst und Bange wurde. Psychologischer Super-Gau!

Am nächsten Morgen gehen wir noch eine kurze Runde Radfahren. Materialcheck. Danach will ich noch 10 Minuten Laufen. Auf einem Zebrastreifen werde ich fast überfahren. Dann laufe ich auf der Promenade entlang und falle aus vollem Lauf auf die Fresse! Was war das denn? Erst denke ich, dass jemand einen Stolperdraht zwischen zwei Pfosten gespannt hat. Es entpuppt sich dann aber als Kunstoffband, in das ich eingefädelt bin. Ergebnis: Schürfwunden an Händen, Knie, Hüfte und Oberarm. Na geil. Was denn nicht noch?! Zum Glück ist es nichts Schlimmeres.

Ironman Vichy – Das 70.3 Rennen

Am Samstag bin ich Supporter. Michelle geht auf ihren ersten 70.3 und ist mega nervös. Die Radstrecke, die angekündigte Hitze und eine gesundheitsbedingt mangelhafte Vorbereitung sind nicht die besten Voraussetzungen.

Der nächste Schock dann als die Wassertemperatur bekannt gegeben wird: 21°, Neofreigabe. Das Problem: Michelle hat keinen Neo und gehört damit zu den 0,5%, die das Rennen ohne den Kälteschutz starten!
Ich versuche sie aufzumuntern, habe aber selbst Panik, dass sie unterkühlt.
Sie geht sichtlich angespannt an den Start, springt ins Wasser und los geht’s. 

Ich laufe um das große Startareal herum an die Promenade zum Ende der Schwimmstrecke und bin super erleichtert, als ich irgendwann Michelle erblicke. Die einzigen unbedeckten Arme lassen sich in der Menge der Schwimmer gut ausmachen.

Als sie dann wenig später freudestrahlend auf dem Rad an mir vorbei düst, fallen mir 1000 Steine vom Herzen. Sie hat es geschafft und sie lacht sogar.

Michelle beim 70.3

Dann klingelt mein Telefon. Meine Eltern teilen mir mit, dass sie an der Schwimmstrecke stehen und gerade Michelle in der Wechselzone gesehen haben. Ich bin erst ziemlich verwirrt, da ich nicht wusste, dass sie kommen. Eine riesen Überraschung, dass sie den weiten Weg nach Vichy auf sich genommen haben, um uns zu unterstützen. Hammer!

Dann beginnt der lange Teil des Wartens auf die Zwischenzeiten von der Radstrecke. Bei jeder Zeitnahme macht sich bei mir Erleichterung breit und als sie die Zeitnahme nach den großen Anstiegen erreicht, bin ich echt glücklich. Sie hat es geschafft. 

Ich stehe bei Kilometer 1 der Laufstrecke und warte nervös auf sie. Wie wird sie aussehen? Es ist sehr heiss und ich weiss, dass sie damit Probleme hat. Als sie dann lachend und winkend auf mich zuläuft, kann ich es kaum glauben. Ich habe sie selten so happy gesehen. Wir fallen uns in die Arme. Sie hat 3,5 Stunden für den Halbmarathon. Das muss reichen. 

Ich pendle mit der gratis Fähre zwischen den beiden Ufern um sie auf der anderen Seite des Sees ein zweites Mal auf der Laufrunde zu sehen. Dort warten auch meine Eltern.

Nach 7 km das gleiche Bild. Lachen und Winken. Ich bin baff. So locker habe ich sie noch nie laufen gesehen und das soll sich bis zum Zieleinlauf nicht mehr ändern.

Erster 70.3 auf einer sehr harten Strecke bei 34° und dann mit so viel Spaß und Lockerheit. Ich weiss nicht, wo sie das hergenommen hat. Richtig geil abgeliefert!

Checkin

Der Bike Checkin ist etwas stressig, da ja Samstags das 70.3 Rennen stattfindet und somit erst nach dem Rennen und dem Checkout der Athleten, der Checkin der Langdistanz beginnen kann. Hat aber gut funktioniert.

Bike Checkin

So doof ich im Prinzip das IRONMAN Athleten Ranking – All World Athletes – finde, hat es für die AWA-Athleten schon ein paar nette Vorteile. Zum einen bekam ich durch meinen Gold-Status die Startnummer 15. Da es bei der Langdistanz kein Profifeld gab, kamen diesmal die normalen Starter in den Genuss der niedrigen Nummern.  Kein Vorteil, aber irgendwie cool. Man fühlt sich wie ein Profi. Weit größer ist der Vorteil in der Wechselzone. Der Radstellplatz direkt am Ausgang bietet schon einen Vorteil, da man sein Rad nicht so weit schieben muss. Außerdem hängen an den AWA-Ständern nur 6 statt sonst 8 Räder, so daß man etwas mehr Platz hat.

Raceday – Ironman Vichy

Das Schwimmen

Die Schwimmstrecke des Ironman Vichy kann einfacher nicht sein. Der Lac d’Allier ist eine Regattastrecke. Es geht also kerzengerade an der Promenade entlang, Wende und dann kerzengerade zurück. Erleichtert wird das ganze noch durch kleine Bojen, die alle paar Meter angebracht sind. Verschwimmen ist hier wirklich schwierig. Eine Besonderheit ist der Start. Man springt von einem kleinen Ponton in den See.

Der Wecker klingelt um kurz nach 3. Ich habe tatsächlich fast 7 Stunden geschlafen.

Wir fahren zum Start und ich spule die Vorbereitung wie im Schlaf ab. Da hilft dann die Routine.

Ironman Vichy Schwimmstart

Ich reihe mich in die Aufstellung für den Rolling Start ein. 1 Stunde ist die Zielzeit. Dann geht es ganz schnell. Es ist noch dunkel als ich gegen 6:30 vom Ponton ins Wasser springe und los kraule. War vielleicht nicht so clever eine getönte Schwimmbrille anzuziehen. Ich sehe nur die Lichter auf der Promenade und sonst nichts.

Aber ich komme richtig gut voran und überhole auf den ersten 500m einige Schwimmer vor mir. Als dann die Sonne aufgeht, sehe ich auch endlich etwas. Es läuft gut und recht entspannt. Durch den Rolling Start kommt man sich kaum ins Gehege. Ich finde immer ein paar Füße um im Wasserschatten ein paar Körner zu sparen. Läuft!

Kurz vor dem Exit sehe ich Michelle und meine Eltern am Ufer und winken. Sie sehen mich aber im Gegenlicht der aufgehenden Sonne nicht.

Als ich aus dem Wasser steige und die Uhr stoppe, steht dort 1:01. Für mich ist das eine super Schwimmzeit, auch wenn ich insgeheim gehofft habe, endlich mal unter einer Stunde zu schwimmen.

Highway to hell – Das Radfahren

Ich wechsel auf’s Rad und gebe auf dem ersten flachen Stück Gas. Ich weiss, dass es nicht lange flach bleiben wird. Dann geht es bergauf, bergab und recht verwinkelt aus der Stadt raus. Die Bodenwellen stellen sich auf dem Rad als gar nicht so schlimm heraus. Man kann sie ohne die Geschwindigkeit zu reduzieren fahren. Ätzend ist allerdings der Asphalt, der so rau ist, dass das Rad permanent durchgerüttelt wird. Ein bisschen wie feines Kopfsteinpflaster.

Ich kann die Leistungsvorgaben von meinem Coach gut umsetzten. Werde allerdings bei Kilometer 20 von einem Athleten meiner Altersklasse überholt. Nicht gut.

Dann geht es auf die große Runde, die es 3 mal zu fahren gilt. Es kommt der erste lange Anstieg. Zum Glück ist es noch relativ kühl.

Die ständigen Anstiege und Abfahrten sorgen dafür, dass man nie wirklich in einen konstanten Tritt kommt. Ständig geht es in den Oberlenker, um dann wieder zu beschleunigen und in die Aeroposition zu wechseln. Ich kann immer mal wieder einzelne Fahrer überholen, werde aber auch selbst von kleineren Grüppchen überholt, an die ich mich dann phasenweise heften kann. Ein Gutes hat die Radstrecke: es wird kaum Windschatten gefahren. Gut, die Abschnitte, in denen sich das lohnen würde, sind auch rar gesät.

Dann kommt die lange Serpentinenabfahrt und man kann sie überraschend gut und flüssig mit dem Zeitrad fahren und das sage ich als schlechter Radtechniker. Dann folgt eine langes flaches Stück in dem man Tempo machen kann. Nach der ersten Runde zeigt der Tacho eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 33 km/h. Schneller als ich im Vorfeld erwartet habe.

Ironman Vichy Radkurs

Es folgt die zweite Runde. Es ist jetzt deutlich wärmer. Die Sonne hat ordentlich Power und es wird anstrengender. Zudem bekomme ich durch das permanente vibrieren des Rades durch den schlechten Straßenbelag Schmerzen im unteren Rücken. Ich freue mich irgendwann sogar auf die Steigungen, weil ich dann in den Oberlenker wechseln und meinen Rücken etwas entspannen kann. Der Tacho zeigt 90km. Halbzeit. Ich habe keine Lust mehr. Die Beine werden schwer. Jetzt schon. Mist. Trotzdem kann ich auch die 2. Runde ähnlich der ersten beenden. Der Tacho zeigt 33,4 km/h. 

Dann geht es auf die dritte Runde und es kommt der erste Anstieg. Mir geht langsam der Saft aus. Die Leitungsvorgaben kann ich nicht mehr halten. Es ist mittlerweile verdammt warm. An jeder Verpflegungsstelle fülle ich mein Wasser auf und schütte mir den Rest über den Rücken. Auch unterwegs spucke ich immer wieder einen Wassernebel in den Fahrtwind um mich etwas abzukühlen.

Um mich herum sind nur noch Teilnehmer, die ich überrunde. Die Grüppchen und Fahrer, die auch auf der 3. Runde sind, musste ich alle ziehen lassen. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Mein Rücken bringt mich um. Ich schwöre mir innerlich, nie wieder in Frankreich einen Wettkampf zu machen. Von Podium und Hawaiislot verabschiede ich mich.

Ich bin bei Kilometer 150 als mir auf einer Abfahrt etwas zwischen die Beine fällt und auf den Boden knallt. Durch die permanente Vibration habe sich die Schrauber meiner Toolbox gelöst und diese hat sich gerade verabschiedet. Da sich darin aber mein Pannenmaterial befindet und das ganze Ding samt Inhalt 100 € wert ist, halte ich an, laufe zurück und sammle das Teil wieder ein. Ich versuche es irgendwie zu fixieren. 5 km später das gleiche Spiel. Als die Box bei Kilometer 170 das dritte mal auf die Straße fliegt, habe ich die Schnauze voll. Ich sammle sie ein und lege sie auf eine Gartenmauer, hoffentlich ist sie noch da, wenn ich sie abhole (Anmerkung: sie war tatsächlich noch da). 
Jetzt bloß keinen Platten auf den letzten 12 km. Das wäre dann richtig Scheisse.

Ich bekomme keinen Platten. Stattdessen springt mir 2 Kilometer später die Kette beim Schalten vom Kettenblatt und verfängt sich zwischen Kurbel und Rahmen. Chainsuck! FUCK! Ich bin mega angepisst. Springe vom Rad, reisse die Kette ohne Rücksicht auf den Rahmen aus der Verklemmung und lege sie wieder auf’s Kettenblatt. Das kann doch alles nicht wahr sein.

Das Adrenalin sorgt dann aber zumindest dafür, dass ich die letzten Kilometer zur Wechselzone relativ zügig fahre.

Dann der nächste Schock. An der Einfahrt zum Eventgelände hat ein Auto beim linksabbiegen einen Teilnehmer vom Rad geholt! Ich sehe nur die zuckenden Beine des am Boden liegenden Fahrers. Mir wird schlecht. Wie kann so eine Scheisse bitte passieren! Das darf einfach nicht sein. Hier hat irgendjemand extrem versagt. An dieser Stelle alles Gute an den Verunfallten. Ich hoffe, es ist nicht so schlimm, wie es aussah. Ich bin wirklich zutiefst erschüttert. Hier muss von Seiten des Ironman Vichy nachgebessert werden!

An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass mir auf der 3. Runde in einer Abfahrt auf einer voll gesperrten Strecke zwei Autos entgegen kamen. Auch das darf nicht sein! Hier müssen die Streckenposten wirklich besser aufpassen.

Aber zurück zum Rennen. Ich bin heilfroh, dass ich vom Rad steigen und endlich meinen Rücken entlasten kann. Aber nach Marathonlaufen ist mir auch nicht zu mute. Mein großes Ziel ist ein Sub3 Marathon. Aber bei sengender Hitze und vielen Passagen in der prallen Sonne, glaube ich nicht daran.

Run boy, run!

Ich laufe los und treffe nach den ersten 1000m meine Supportcrew. Ich liege gar nicht so schlecht, wie gedacht. Ich bin sehr überrascht als ich höre, dass ich 5. bin. 

Aber ich fühle mich nicht gut. Das Laufen fällt mir arg schwer und ich weiß, dass ich den niedrigen 4er Pace nicht lange halten werde. Da hilft dann die Erfahrung von über 30 Marathon läufen. Ich kann relativ gut einschätzen, was da noch geht. Bei Kilometer 5 treffe ich wieder auf Michelle und meine Eltern. “Du bist 5., 5 Minuten Rückstand auf den Vierten!”. Ich winke resignierte ab, denn in diesem Moment werde ich von einem Läufer meiner Altersklasse überholt und der macht einen sehr lockeren Eindruck.

Ironman Vichy Laufenstrecke

Ich hefte mich trotzdem an seine Fersen und kann ganz gut mithalten. 2000m später fasst er sich das erste Mal an die Seite. Ich weiss, was das bedeutet: Seitenstechen. Beim Anstieg auf die Brücke, die über den Fluss führt, ziehe ich das Tempo etwas an und laufe an ihm vorbei. Am Ende der Brücke sehe ich ihn nicht mehr. Schachmatt!

So fies es ist, mir gibt dieser Erfolg mentalen Rückenwind. Auf einmal läuft es, wenn auch nicht so schnell wie gewünscht, aber ein 4:20er Pace ist für die Hitze schon ganz okay.

Ich laufe vor auf den 4. Platz. Habe aber noch 8 Minuten Rückstand auf den Dritten, der nur 15 Sekunden langsamer läuft als ich. Da reichen die kommenden 20 km nicht aus um das aufzuholen. Außerdem muss ich ja auch erstmal so konstant weiterlaufen.

Ich fühle mich aber mittlerweile erstaunlich gut. Die Beine sind locker. Lediglich die Hitze bremst mich. Deswegen bleibe ich an jeder Verpflegungsstelle stehen, lasse mich komplett nass machen. Trinke viel Wasser mit Salz und laufe dann weiter.

Und dann kommt das, was man vom Marathon kennt. Der Mann mit dem Hammer. Allerdings nicht für mich, sondern für die zwei Athleten meiner Altersklasse vor mir. Ich habe nicht nur die 8 Minuten zugelaufen, sondern auch relativ schnell einige Minuten Vorsprung. Hochgefühl. Adrenalin. Endorphin. 

Letzte Runde und die Beine sind immer noch locker. Ich bleibe bei meiner Strategie an den Verpflegungsstellen und bin mir recht sicher, dass ich das Ding nach Hause bringe.

Ironman Vichy Zieleinlauf

Als ich in den Zielkanal einbiege bricht pure Freude aus. Was für ein Rennen. Unglaublich.

Die Uhr steht bei 9:32:07. 2:57:43 für den Marathon. Viertschnellste Marathonzeit des Tages. Auch wenn die Strecke deutlich zu kurz ist, bin ich richtig zufrieden mit der Performance. Ich habe das Ding beim Laufen echt nochmal rumgerissen. Podium. Hawaii Slot. Richtig geil! 

Mein Fazit zum Ironman Vichy

Wieder einmal zeigt sich, dass die alte Weisheit “es ist erst zu Ende, wenn es zu Ende ist” wahr ist. Gerade auf der Langdistanz kann so viel passieren. Man verliert nur dann, wenn man den Mut verliert und diesmal war ich kurz davor. Man sollte die Psyche in einem solchen Rennen nicht unterschätzen. Der Kopf entscheidet!

Mit der viertschnellsten Marathonzeit im Gesamtfeld habe ich es tatsächlich geschafft mich noch aufs Podium zu laufen. Nach Frankfurt 2018 also wieder der 2. Platz!

Finisher Medaille

Zum Rennen selbst muss ich sagen, dass der Ironman Vichy unter’m Strich viel schöner als erwartet war. Auch die Radstrecke war eigentlich ganz cool. Das größte Manko ist für mich der Straßenbelag. Der hat mich, meinen Rücken und meine Toolbox reichlich mitgenommen.

Das Drumherum beim Ironman Vichy ist super. Die Helfer sind alle super freundlich, auch wenn viele nur wenige Brocken englisch sprechen. Auch der Support an der Streck war top. Vor allem auf der Laufstrecke wird jeder mit Namen angefeuert. Da kann man nicht meckern. Auf der Radstrecke gibt es sogar eine kleine Version des Solarer Berg.

Auch die Finisher Party am späten Abend, wo die letzten Athleten ins Ziel geholt werden war klein, aber super ausgelassen. Dazu noch ein kleines Abschlussfeuerwerk. Schönes Ding!

So, und jetzt hole ich mir meine Trophäe und meinen Slot für Hawaii 2020! KONA, baby! 

Ironman Vichy Siegerehrung

Hier geht es zu den Strava Aktivitäten:

Infos zum Ironman Vichy auf der Veranstalter Webseite

Frankfurt City Triathlon – 1. Platz in der AK

Eigentlich sollte es für mich ja schon letzten Sonntag zur Vorbereitung auf den Ironman Vichy auf die Mitteldistanz gehen. Leider hat ein Wespenstich zwischen die Augen dieses Vorhaben verhindert und ich musste das Rennen in Hofheim sausen lassen bzw. von der Seitenlinie aus verfolgen. Glücklicherweise konnte ich dann noch sehr kurzfristig einen Startplatz für die Mitteldistanz des Frankfurt City Triathlon erwerben. Es ist schon sehr cool vom Veranstalter eine Umschreibung des Startplatz bis zum Tag vor dem Rennen anzubieten.

Samstag ging es also nach Frankfurt. Umschreiben, Startunterlagen abholen, Beutel für die Wechselzone 2 abgeben und einen sehr coolen DryBag Rucksack als Präsent in Empfang nehmen. Anschließend ging es zum Langener Waldsee zum Bike Checkin. Das ging ganz fix und mein Platz war glücklicherweise ziemlich am Ende der Wechselzone. Die ist nämlich mit gut 500m verdammt lang. Da kamen Erinnerungen an den Ironman Hamburg auf.

Am Sonntag morgen klingelt der Wecker um 3 Uhr. 3 Uhr!!! Der Start der MD ist mit 6:30 extrem früh, was mich schon etwas geschockt hat. Aber gut, dann ist man auch früh wieder zu Hause. Nach ein paar Toast mit Honig ging es nach Frankfurt. Auto in der Innenstadt abgestellt und dann mit dem Shuttlebus zum See. Kurz das Rad fertig gemacht und die restliche Zeit bis zum Start mit @michelle_ramone totgeschlagen. 

Schwimmstart

Um 6:30 starten die Top 100, wie auch immer man sich dafür qualifiziert? Ich starte eine Minute später im Hauptfeld. Der Rolling Start wir extrem in die Länge gezogen. Das hat zur Folge, dass ich die 2km komplett alleine schwimme. Kein Gehaue, aber auch kein Wasserschatten. Nach 31:47 komme ich aus dem Wasser. Das ist ganz okay für mich. Schwimmen ist und bleibt meine Schwäche. 

Ich pelle mich aus dem Neo und renne die 500m zu meinem Rad. Helm auf und los.

Die Strecke in Frankfurt ist flach. Lediglich die beiden Brücken über den Main bringen ein paar Höhenmeter. Man kann also ordentlich Tempo machen.

Auf der ersten Kopfsteinpflasterpassage haut es mir die Flasche mit meiner Verpflegung aus dem Sattelhalter. Na toll… Ein Helfer ruft mir hinterher, dass ich weiterfahren soll und er sie mir auf der zweiten Runde anreicht. Okay, cool.

An der Verpflegung greife ich für den Übergang eine Flache Iso, auch wenn ich das Zeug nicht abkann. Gegen Ende der Runde frage ich mich, was ich mit der Iso-Flasche machen soll, wenn ich meine Flasche zurückbekomme, da ich nur einen Flaschenhalter habe. Das Problem löst sich auf der nächsten Kopfsteinpflasterpassage in Luft auf. Dumm ist allerdings, dass der Helfer seine Ansage leider vergessen hat und mir die Flasche natürlich nicht reicht. Gut, dann halt ohne. Ich habe ja noch ein Gel in der Tasche. Das muss dann halt reichen. Auf 80km kann man das machen. Auf der Langdistanz wäre das fatal.

Radkurs

Ich hänge mich an einen Mitstreiter, der ordentlich Tempo macht und versuche dranzubleiben. Das klappt ziemlich gut und ich schaffe es zum ersten Mal in meinem Leben einen Schnitt von über 40km/h zu fahren. Richtig geil. 1:52:52 auf 80km. Bin immer noch geflashed.

Dann geht es in die zweite Wechselzone, die ist auch verdammt lang ist. Ich muss an allen Radständern vorbei bis zum Ende der Zone laufen. Ich schlüpfe in die Laufschuhe und renne los. Vorgabe des Coach war ein Pace unter 3:44. Auf der ersten Runde ist mir das auch noch gelungen, aber dann konnte ich den Pace nicht mehr ganz halten. Die Laufstrecke ist aber auch sehr “speziell”. Sehr viel Kopfsteinpflaster, sehr viele Richtungswechsel und dann geht esu auch noch durch(!) die MyZeil-Einkaufspassage mit anschliessenden vier Treppenstufen hoch und vier wieder runter. Am Ende stehen für die 20km 1:14:17 auf der Uhr. Das geht voll in Ordnung.
Ich habe während des Rennens nicht auf meine Gesamtzeit geschaut, als ich im Ziel abstoppe, schaue ich ungläubig auf’s Display: 3:44:42 – Wahnsinn! 

Zieleinlauf beim Frankfurt City Triathlon

Direkt nach dem Zieleinlauf nimmt mich Michelle in Empfang. Wieder einmal der beste Support, den ich mir wünschen kann. 

Im Athletengarten kippe ich zwei alkoholfreie Radler auf Ex und hole dann meinen Wechselbeutel. Ich will fix unter die Dusche. Diese kann ich in einem sehr luxuriösen Fitnessstudio nutzen. Als ich danach online die Ergebnisliste checke bin ich baff: 8. Platz gesamt und 1. In der Altersklasse. Auf das Altersklassenpodium habe ich schon im Vorfeld geschielt, aber mit der Top10 hätte ich beim Frankfurt City Triathlon nicht gerechnet. Richtig geil.

Frankfurt City Triathlon Siegerehrung

Bis zur Siegerehrung und dem Radcheckout müssen wir noch gut 3 Stunden totschlagen. Die Zeit nutzen wir und schlendern über das Streetfood Festival und supporten Astrid und Matthias auf ihrer ersten Olympischen. Glückwunsch auch nochmal an dieser Stelle!

Bei der Siegerehrung gibt es statt einer Trophäe, passend zu Frankfurt, ein Apfelweinglas. Sehr schön.

Dann geht es fix nach Hause. Couch, Netflix und ein Bier warten auf mich. 

Der Ironman Vichy kann kommen!

Infos zum Frankfurt City Triathlon auf der Veranstalter Webseite