Bayman XXL Triathlon – Leiden am Mont-Saint-Michel

Ich weiß gar nicht so genau, wie ich auf den Bayman Triathlon in der Normandie aufmerksam wurde. Ich glaube, es war ein Reel, das mir in meine Instagram-Timeline gespült wurde und direkt meine Aufmerksamkeit erregte. Ein Triathlon vor der epischen Kulisse des Le Mont-Saint-Michel in der Normandie, der kleinen Felseninsel im Ärmelkanal mit seiner markanten mittelalterlichen Abtei.
Nachdem ich mir dann noch einige Race-Videos des Bayman angeschaut habe, war für mich klar: da will ich hin!

Der Bayman bietet neben einer Olympischen Distanz auch eine Mitteldistanz und sogar eine Langdistanz. Wobei die Olympische Distanz am Sonntag und die beiden längeren Formate am Samstag stattfinden.

Als ich Michelle das Video zeigte, war sie natürlich direkt mit von der Partie und auch die Krämers konnte ich damit anfixen.
Michelle und Markus wollten auf der Mitteldistanz an den Start gehen und ich konnte es mir natürlich nicht nehmen lassen, mich nach dem Swissman und dem Ironman Vichy für meine dritte Langdistanz in diesem Jahr anzumelden.

Bayman 2026 Bayman Logo

Die Anmeldung zum Bayman

Am Abend, als die Anmeldung für den Bayman öffnet, sitzen wir alle vor unseren Rechnern, um uns zu registrieren oder es zumindest zu versuchen. Das Anmeldeformular ist natürlich nur auf Französisch verfügbar, was aber nicht mal das größte Problem ist, denn keinem von uns gelingt es, seine Triathlonlizenz hochzuladen und so die 40 Euro für eine Tageslizenz zu sparen. Egal welches Dateiformat wir probieren, die Datei wird nicht akzeptiert.
Nach einer halben Stunde geben wir entnervt auf und zahlen die Gebühr für die Tageslizenz, gefolgt von einer E-Mail an den Veranstalter, mit der Bitte um Erstattung. Zumindest diese hat bei Zwei-Dritteln von uns fast reibungslos funktioniert.
Dabei hätte es so einfach sein können, denn auf der Seite des französischen Triathlonverbands kann man sich mit einem deutschen Startpass ganz einfach für jedes Rennen in Frankreich eine Tageslizenz herunterladen.

Dann wurde noch ein Häuschen nur drei Kilometer vom Start entfernt gemietet und somit war alles fix für den Bayman am 10. Oktober 2026 in Le Mont-Saint-Michel.

Was ich in der ganzen Euphorie allerdings etwas ausgeblendet habe, ist die Tatsache, dass die Normandie im Oktober nicht unbedingt für ihr sommerliches Wetter bekannt ist.
Je näher der Renntag kommt, desto banger wird der Blick in die diversen Wetter-Apps und die Vorhersagen verheißen nichts Gutes. Es sind nur 17°C gemeldet und dazu eine relativ hohe Regenwahrscheinlichkeit. Das kann ja heiter werden.

Anreise in die Normandie

Am Donnerstagmorgen geht es zusammen mit den Krämers los in Richtung Frankreich. Wir fahren zusammen mit einem Transporter. Das spart nicht nur Sprit, sondern auch Maut – und ist nebenbei noch viel unterhaltsamer.
Es geht erst Richtung Köln, dann quer durch Belgien, bevor wir nach zehn Stunden unser Ziel in Frankreich erreichen.
Die Unterkunft ist sehr schön und perfekt gelegen. Allerdings ist das Dorf so klein, dass es dort außer Schafen nicht viel zu entdecken gibt.

Bayman 2026 Le Mont Saint Michel

Vor dem Start

Am nächsten Morgen steht noch eine kurze Radrunde in meinem Plan. Da die Radstrecke des Bayman direkt an unserem Haus vorbeiführt, kann ich mir noch ein Stück der Route anschauen. Dieses Teilstück ist der Hammer. Flach, schnell und mit perfektem Asphalt. Dazu der permanente Blick auf Le Mont-Saint-Michel. Ich bin begeistert. Das macht richtig Spaß und steigert meine Vorfreude auf das morgige Rennen.

Was auch Spaß macht, ist der Blick auf die Wettervorhersage. Die Temperatur ist zwar noch etwas gesunken und es sollen nur noch maximal 16°C werden, aber es wird sonniges und vor allem trockenes Wetter gemeldet und auch der Wind soll etwas abflauen.

Die Aktivierungsfahrt habe ich auch dazu genutzt, zu testen, ob es trotz des strammen Windes und der Temperatur warm genug für kurz-kurz ist. Da es ja morgen zusätzlich noch sonnig werden sollte, war klar, dass eine Jacke viel zu warm werden würde.

Bayman 2026 Trainingsfahrt

Registrierung und Bike-Check-In

Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Weg zur Registrierung. Vom Athletenparkplatz, der extra reserviert ist, muss man noch ein ganzes Stück laufen, bis man das Eventgelände erreicht.
Der gesamte Parkplatz ist so gigantisch, dass er auch an einem Bundesligastadion liegen könnte. Man kann nur erahnen, welche Touristenmassen sich hier in der Hochsaison tummeln.

Als um Punkt 14 Uhr die Registrierung öffnet, holen wir unsere Startunterlagen und machen uns auf den Weg zurück in unsere Unterkunft, um die Räder für den Check-In vorzubereiten. Man kann sein Rad zwar auch noch morgen vor dem Start in der Wechselzone deponieren, aber wir wollen das lieber schon heute erledigen.

Bayman 2026 Startnummern

Wir packen unsere Sachen für den Check-In zusammen. Bevor wir losfahren, pumpen wir alle nochmal die Räder auf. Ich stelle fest, dass ich fast 2 Bar seit meiner morgendlichen Runde verloren habe. Wir ziehen die Jacken wieder aus und ich ziehe mir noch zwei neue Schläuche ein. Das hätte ich vielleicht schon mal früher machen sollen, denn die Aerothan Schläuche sind bestimmt schon 4 Jahre alt. Vielleicht ist es deshalb beim Ironman Vichy nicht so gut gerollt?

Im leichten Nieselregen radeln wir zur Wechselzone und checken die Räder ein. Löblich ist der üppig bemessene Platz auf den Radständern. Wir schauen uns noch kurz die Laufwege an und machen uns auf den Heimweg.
Nach der obligatorischen Pasta geht es früh ins Bett.

Der Start des Bayman XXL

Der Wecker klingelt um 5 Uhr. Wir machen uns fertig, ich trinke noch einen Kaffee und frühstücke zwei Maurten Riegel. Um 6 Uhr machen wir uns auf den Weg.
Draußen ist es stockdunkel. Es gibt keine Straßenlaternen und auch sonst kein Licht. Man sieht nicht die Hand vor Augen. Zum Glück habe ich eine Stirnlampe eingepackt.

Auf dem Parkplatz angekommen, machen wir uns wieder auf den langen Fußweg. Vereinzelt sieht man die Stirnlampen anderer Athleten, die zum Start pilgern.

Mit 10°C ist es recht frisch. Ich bin dick eingepackt und trotzdem friere ich leicht. Ich kann mir so gar nicht vorstellen, gleich schwimmen zu gehen und bin gespannt, wie die Wassertemperatur wohl sein wird.
Da beim Bayman neben dem Neoprenanzug nicht nur Socken und Kappen, sondern auch Neopren-Handschuhe erlaubt sind, gehe ich davon aus, dass es nicht allzu warm sein wird. Ich kenne keinen anderen Triathlon, bei dem Handschuhe erlaubt sind.

Schwimmen im Couesnon

Das Schwimmen findet im Fluss Couesnon, der bei Le Mont-Saint-Michel in den Ärmelkanal mündet, statt. Die Mündung ist ein begradigter Kanal, an dessen Ende sich eine Schleuse befindet, die während des Rennens geschlossen wird. Auf der Schleuse befindet sich auch das Ziel des Bayman.
Auf der Langdistanz werden zwei Runden ohne Australien-Exit geschwommen.

Dann kommt die Durchsage, dass die Wassertemperatur bei 15°C liegt. In so kaltem Wasser bin ich noch nie geschwommen – zumindest keine 3,8 Kilometer.

Nachdem die letzten Handgriffe am Rad erledigt und die Wechselbeutel aufgehängt sind, ziehe ich mich um. Es kostet einiges an Überwindung, die warmen Klamotten auszuziehen und mich in den Wetsuit zu zwängen. Zusätzlich habe ich auch Neoprensocken dabei. Doch selbst in Neopren gekleidet ist mir noch kalt, so dass ich wieder meine Schuhe, Jacke und Wollmütze anziehe.

Unser Start ist um 7:45 Uhr, der Sonnenaufgang ist allerdings erst eine halbe Stunde später. Im Dunkeln machen wir uns auf den Weg zum Schwimmstart, der ein ganzes Stück von der Wechselzone entfernt ist.

Es gibt drei Startblöcke. Ich stelle mich in den Block für eine Zielzeit unter 1:05 Stunden. Jetzt ist die Zeit gekommen und ich muss mich meiner Kleidung entledigen. Ich bin etwas nervös, was mich da gleich erwartet.

Bayman 2026 Weg zum Start

Bayman 2026 Startgruppe 1

Kalter Start in den Tag

Dann geht es ganz schnell. Wir werden auf eine kleine Rampe geleitet und dann geht es los. In der aufziehenden Dämmerung springe ich in den Fluss.
Die ersten Meter sind ein Schock. Das Wasser ist eisig. 1000 Nadelstiche auf Händen und Gesicht. Ich versuche hart anzuschwimmen, um warm zu werden.

Es geht auf die erste Runde und ich merke, dass es – wie schon beim Swissman und dem Ironman Vichy – nicht gut läuft. Irgendwie scheint mir in diesem Jahr meine Schwimmleistung verloren gegangen zu sein.
Ich mache zum Teil meinen Rücken dafür verantwortlich, der mir schon eine ganze Weile Probleme bereitet.
Ich merke schnell, dass das kalte Wasser das Ganze nicht besser macht. Schon nach einem Viertel der Strecke meldet sich mein unterer Rücken.

Ich werde immer wieder überholt. Meine Versuche, mich an jemanden dranzuhängen, bleiben leider erfolglos. Ich verliere immer wieder den Anschluss, was zum Teil auch daran liegt, dass man im trüben Wasser absolut nichts sehen kann.

Krämpfe auf Runde Zwei

Es geht auf die zweite Runde und ich sehne bereits das Ende herbei.
Auf den letzten 500 Metern bekomme ich einen Wadenkrampf und muss ein kurzes Stück Rückenschwimmen, während ich versuche, den Krampf aus meiner linken Wade zu massieren. Das hatte ich noch nie. Kurz vor dem Schwimmausstieg krampft dann auch noch meine rechte Wade.

Ich bin heilfroh, als die Helfer mich aus dem Wasser auf das Ponton hieven. Doch kaum auf den Beinen sacken mir diese fast weg. Sie sind absolut gefühl- und kraftlos. Ich muss kurz stehen bleiben und mich sammeln, bevor ich langsam Richtung Wechselzone trabe.

Auf meinem Display werden mir 1:10 Stunden als Schwimmzeit angezeigt. Kein besonders guter Start in den Tag.

Ich schnappe mir meinen Beutel mit den Radsachen und begebe mich ins Wechselzelt, das aus allen Nähten platzt. Mir war schon klar, dass viele vor mir sind.
Ich versuche doch, entgegen meinem Plan, meine lange Radjacke anzuziehen. Da es mir aber nicht gelingt, die enge Jacke über meine nassen Arme zu ziehen, gebe ich das Unterfangen auf und beschließe dann doch, nur im Einteiler auf die Strecke zu gehen.
Im Nachhinein eine gute Entscheidung, denn was ich zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: durch den schnellen Wechsel mache ich 32 Plätze gut.

180 Kilometer gegen Wind und Regen

Die 180 Kilometer lange Radstrecke des Bayman verteilt sich auf zwei Runden mit 45 Kilometern, gefolgt von einer großen 90-Kilometer-Runde, die gleichzeitig auch die Strecke der Mitteldistanz ist.

Direkt hinter dem Ausgang der Wechselzone wartet die Crew auf mich und feuert mich nochmal an, bevor es sehr einsam und sehr feucht wird.
Es fängt an zu regnen. Der Himmel ist grau und es bläst ein strenger Wind. Da hat die Wettervorhersage ja mal so richtig daneben gelegen.
Während es über asphaltierte Feldwege geht, verfluche ich mein Leben.

Nach knapp 9 Kilometern gilt es eine sehr knackige Steigung zu überwinden, in der ich von zwei Fahrern eingeholt werde. Jetzt werde ich nach dem miserablen Schwimmen auch noch auf dem Rad überholt. Ich bin absolut nicht zufrieden mit dem Rennverlauf.

Der Asphalt auf den ersten 20 Kilometern ist extrem ruppig und vor allem in den Dörfern mit Schlaglöchern gespickt.
Die Radstrecke ist zwar nicht für Autos gesperrt, aber es stehen wirklich an jeder noch so kleinen Seitenstraße Helfer, die den Verkehr regeln. Die wenigen Autos, die mich überholen, halten vorbildlichen Abstand ein, so dass ich mich auf der gesamten Strecke nie unsicher fühle.

Bayman 2026 Auf die Radstrecke

Ein einsames Rennen

Nach 22 Kilometern biegen wir auf eine Wendepunkt-Strecke von 13 Kilometern Länge ab. Ich beginne die mir entgegenkommenden Fahrer zu zählen, gebe es aber nach einiger Zeit auf, da es einfach zu viele sind.
Der Wendepunkt ist so eng und schmal, dass ich fast auf Null herunterbremsen muss, um die Kehre zu fahren. Der Streckenposten ruft mir meine Platzierung zu. Wenn mich meine rudimentären Französischkenntnisse nicht täuschen, dann bin ich auf Platz 40. Nicht unbedingt die Platzierung, die ich mir im Vorfeld ausgemalt habe.

Auf dem Weg zurück kann ich dann sehen, was so hinter mir los ist. Auch hier sind die Abstände recht groß. Es gibt eigentlich keine wirklichen Gruppen. Ein einsames Rennen für jeden.

Nach knapp 40 Kilometern erreiche ich dann die einzige Verpflegungsstation auf dieser Schleife. Da ich das schon grenzwertig finde, habe ich mir für das Rennen einen zweiten Flaschenhalter hinter den Sattel montiert, um genügend Wasser an Bord zu haben.
Ich werfe eine Flasche ab – aufgrund der niedrigen Temperaturen habe ich noch nicht allzu viel getrunken – und greife eine neue. Ich fluche. Es sind 500-ml-Flaschen, die ausgegeben werden. Damit habe ich nicht gerechnet. Nur eine Station und dann auch noch kleine Flaschen. Das ist schon echt wenig. Da die Verpflegungsstation auch sehr kurz ist, kann man ohne anzuhalten maximal eine Flasche greifen. Zum Glück habe ich noch ein Backup.

Ich erreiche die Kreuzung, an der es geradeaus auf die finale Schleife geht. Bevor ich dort lang darf, muss ich allerdings die aktuelle Runde noch zweimal fahren. Ich biege nach links ab zurück Richtung Wechselzone.

Bayman 2026 Cube Aerium

Die zweite Radrunde

Unten am Fluss ist ein kleines Stimmungsnest. Eine willkommene Abwechslung. Dann biege ich auf die zweite Runde.

Die Fahrt ist weiterhin ziemlich ereignislos. Andere Fahrer sind nicht in Sicht. Ab und an beginnt es zu nieseln. Teilweise sind die Straßen auch richtig nass. Da habe ich die größeren Schauer wohl glücklicherweise verpasst.
Der Himmel ist größtenteils grau. Nur ab und an zeigt sich mal kurz die Sonne. Der Wind weht weiterhin kräftig vom Meer hinauf.

Der kalte Wind, der über meinen nassen Rücken bläst, sorgt dafür, dass die Schmerzen immer stärker werden. Ich wechsle immer mal wieder in den Oberlenker und versuche durch Verdrehen meines Oberkörpers die Muskulatur in meinem unteren Rücken zu dehnen. Das sorgt zumindest kurzfristig für etwas Entlastung.
Aber auch meine Oberschenkel und meine Leiste sind nicht begeistert von der Dauerkühlung.

Bayman 2026 Anstieg

Nach 60 Kilometern wird es dann etwas abwechslungsreicher, denn ich fahre auf das Ende der Langdistanz auf und beginne die langsameren Fahrer zu überrunden.

Das macht es dann allerdings unmöglich, auf dem Wendepunktsegment meine Position oder den Abstand zu den Fahrern vor mir abzuschätzen, da die Strecke jetzt deutlich voller ist und ich den Überblick verliere.

Gerade als ich an einem anderen Fahrer vorbei fahre und in der Abfahrt hochschalte, fällt die Kette vom Kettenblatt zwischen Rahmen und Kurbel. Das ist mir auch schon ewig nicht mehr passiert und jetzt ausgerechnet im Rennen. Ich muss kurz anhalten und mit zittrigen Fingern die Kette wieder auflegen.
Dann geht es weiter. Ab da achte ich sehr genau darauf, den Kettenblattwechsel möglichst gefühlvoll zu vollziehen, damit sich das Ganze nicht wiederholt.

Nachdem ich erneut die Verpflegungsstation erreicht habe, biege ich nach 82 Kilometern zum zweiten Mal Richtung Wechselzone ab und gehe dann auf die dritte Runde.

Bayman 2026 Radkulisse

Die finale große Radrunde

Ich hatte im Vorfeld grob kalkuliert, dass ich gegen Ende der Radstrecke auf das Feld der Mitteldistanz, die zweieinhalb Stunden nach uns gestartet ist, auffahren würde.
Doch ich habe mich offenbar ordentlich verrechnet, denn bereits nach 110 Kilometern überhole ich die ersten Mitteldistanzler.

Jetzt wird die Strecke schlagartig ziemlich voll. Auf der Wendepunktstrecke kommen mir immer wieder größere Pulks entgegen. Die Mindestabstände werden hier nicht wirklich eingehalten. Ich pflüge durch das Feld. Immer wieder fahren vor mir Athleten in Zweier- oder Dreierreihen. Manche halten einen gemütlichen Plausch, während sie nebeneinander her bummeln. Da dieser Streckenabschnitt für den Verkehr gesperrt ist, ist das erstmal kein größeres Problem. Doch die letzten 70 Kilometer teilen wir uns wieder mit dem Autoverkehr und ich mache mir Sorgen, ob ich dann noch einigermaßen flüssig durch das Feld fahren kann.

Da aber wirklich nicht viel Verkehr auf der Strecke ist und die wenigen Autofahrer sehr besonnen sind, ist es zum Glück kein Problem.
Lediglich als wir durch Pontorson, eine etwas größere Stadt, fahren und die Strecke auf einen schmalen Radweg neben der stark befahrenen Straße geleitet wird, muss ich für ein paar hundert Meter das Tempo rausnehmen, da es hier unmöglich ist zu überholen.

Auf der finalen 70-Kilometer-Schleife ist der Asphalt zum Glück deutlich besser als auf dem ersten Abschnitt. Ich wäre lieber diese Runde mehrfach gefahren.

Bayman 2026 Aero is everything

Der Kampf gegen Wetter und Schmerzen

Meine Rückenschmerzen werden immer schlimmer. Immer öfter muss ich mich dehnen und es fällt mir zunehmend schwerer Druck auf die Pedale zu bekommen. Erschwerend kommt hinzu, dass der ohnehin schon kräftige Wind nochmal zulegt.

Auch das ständige Überholen der Mitteldistanzler wird zunehmend anstrengender, da es immer voller wird, viele es mit dem Rechtsfahrgebot nicht so genau nehmen und ich immer mit Autos von hinten rechnen muss.

Ich sehne mich der Wechselzone entgegen.

Irgendwann überhole ich Michelle, kann aber aufgrund der Windgeräusche im Helm nicht verstehen, was sie mir sagt. Aber sie lächelt, was auf jeden Fall ein gutes Zeichen ist.

Dann erreiche ich endlich den Streckenabschnitt, den ich schon von meiner Trainingsrunde kenne. Noch knapp 20 Kilometer bis zum Ziel.
Dieser Abschnitt ist mit Abstand der schönste Teil der Strecke. Der Blick auf Le Mont-Saint-Michel ist spektakulär.

Bayman 2026 An unserer Unterkunft

Wir biegen in die Straße unserer Unterkunft ab. Es ist nicht mehr weit. Ich passiere die Brücke über den Fluss Couesnon und es geht auf die finale Allee Richtung Wechselzone.

Plötzlich öffnet der Himmel seine Schleusen und es beginnt in Strömen zu regnen. Innerhalb von Sekunden bin ich klatschnass und mir wird richtig kalt.
Zum Glück kann ich gleich vom Rad runter.

An der Dismount-Linie springe ich ab und laufe über die matschige Wiese um die Wechselzone herum, wo mir ein Helfer das Rad abnimmt.

Der Marathon des Bayman

Diesmal war ich so schlau und habe Wechselsocken in den Laufbeutel gepackt. Die Socken an meinen Füßen sind nicht nur klitschnass, sondern auch voll Gras und Matsch.

Ich stopfe meine Maurten Gels in den Anzug und laufe los. Da ich nicht alle Gels für den Marathon in die Taschen des Einteilers bekomme, habe ich die Verpflegung für die zweite Hälfte des Marathons im Special-Needs-Beutel deponiert.

Es geht vor der Schleusenbrücke hinunter auf den Schotterweg entlang des Flusses Richtung Schwimmstart.

Man muss beim Bayman insgesamt vier Runden laufen, wobei es auf der ersten Runde auch durch Le Mont-Saint-Michel geht. In den letzten drei Runden dürfen wir vor dem Stadttor kehrt machen.

Bayman 2026 Zur Brücke

Auf der Laufstrecke ist einiges los, da sich hier bereits der Großteil der Mitteldistanz tummelt.
Ich laufe mit einem 4:20er Pace Richtung Brücke über den Couesnon. Doch bevor es über den Fluss geht, führt die Strecke noch 500 Meter weiter und nach einer Wende wieder zurück. Dieser Abschnitt ist leider sehr eng und man muss seine Überholmanöver gut abpassen, um nicht mit entgegenkommenden Läufern zu kollidieren.

An der Brücke geht es dann einen matschigen Trampelpfad die Böschung hinauf zur Straße. Dieses kurze Stück tut richtig weh.

Auf der anderen Seite des Flusses geht es dann Richtung Le Mont-Saint-Michel, das Monument immer frontal im Blick.
Mein Pace sinkt auf 4:40 Minuten und mir wird schlagartig bewusst, warum es auf den ersten drei Kilometern so geschmeidig lief. Vom Meer her weht mir ein brutaler Wind ins Gesicht.

Es geht auf der Dammstraße zur Insel. Hier ist der Wind sogar noch heftiger. Mein Plan, den Marathon in knapp 3 Stunden zu laufen, wird bereits jetzt vom Winde verweht.

Bayman 2026 Richtung Wendepunkt

Le Mont-Saint-Michel

Ich erreiche die Stadtmauer und laufe durch das Tor in die mittelalterlichen Gassen. Es geht über grobes Kopfsteinpflaster einen extrem steilen Weg hinauf, über Treppen und durch schmale Gässchen über die Stadtmauer. Leider kann ich weder die Aussicht noch die kleine Sightseeing-Runde genießen, denn ich muss mich darauf konzentrieren, wo ich hintrete.
Dann geht es den ganzen Spaß wieder hinab. Wenn meine Beine noch nicht komplett lädiert waren, dann sind sie es spätestens jetzt.
Als Lohn für die Qual bekommt man ein Rundenband in Form einer weißen Kordel, die man als Kette um den Hals trägt.
Ich bin heilfroh, dass wir diese Tortur nur einmal hinter uns bringen müssen und nicht auf jeder Runde durch den Ort gejagt werden.

Ich genieße den Rückenwind, als ich zurück aufs Festland laufe. Der Damm ist gespickt mit Zuschauern, aber vor allem mit Heerscharen an Touristen, die die Abtei besichtigen wollen und sich wahrscheinlich über die ganzen Bekloppten wundern, die dort entlang rennen.

Ich kann zwar wieder etwas Tempo aufnehmen, aber selbst mit dem Wind im Nacken erreiche ich nicht mehr meine Wunschpace.

Es geht über die Schleuse, vorbei am Zielbereich auf die zweite Runde. Ich muss einen kurzen Pit-Stop einlegen.

Ich versuche so gut es geht das Tempo zu halten, doch spätestens als es wieder Richtung Meer und dem Wind entgegen geht, fällt es mir zunehmend schwerer. Zu meinen Rückenschmerzen gesellt sich jetzt noch ein stechender Schmerz im rechten Fußballen. Nach der Wende vor der Stadtmauer muss ich mich kurz hinsetzen und meinen Schuh ausziehen. Ich massiere meine Fußsohle, in der Hoffnung, den Schmerz vertreiben zu können. Leider ist dies nur von kurzem Erfolg gekrönt.

Bayman 2026 Run Course
Bayman 2026 Laufstrecke

Der mentale Tiefpunkt

Wie es auf der Langdistanz gute Tradition ist, beginne ich alles in Frage zu stellen. Warum ich drei Marathons und drei Langdistanzen in einem Jahr mache. Warum ich überhaupt noch Langdistanzen, Triathlon oder überhaupt Sport mache.
Natürlich denke ich auch ans Aufgeben. Aber dafür bin ich nun wirklich nicht den weiten Weg in die Normandie gekommen.

Ich frage mich, auf welchem Platz ich wohl liegen mag. Auf der Strecke habe ich eigentlich nur Teilnehmer der Mitteldistanz überholt und auf der Radstrecke habe ich auch nur wenige Plätze gut gemacht, so glaube ich zumindest.
Ich schätze, dass ich vielleicht auf Platz 30 bin. Ob das für das Altersklassenpodium reicht, bezweifle ich stark.

Ich will aber auf jeden Fall versuchen unter 10 Stunden zu finishen. Doch selbst wenn es mir gelingen würde, das Tempo zu halten, wird das eine knappe Kiste.

Wieder an der Wechselzone nehme ich meine bereitgelegten Gels auf. Noch zwei Runden. Ich fühle es so gar nicht.

Bayman 2026 Vor der Schleuse

Ein überraschender Push

Als es auf der dritten Runde wieder gegen den Wind geht, gewinnt der Schmerz im Fuß erneut die Oberhand und ich ziehe wieder den Schuh aus, um den Fuß zu massieren.
Wenig später sehe ich Michelle, die den Weg entlang geht und ganz offensichtlich wieder Rippenschmerzen hat. Ich bleibe neben ihr stehen und gehe ein Stück mit ihr. Wir klagen uns gegenseitig unser Leid.
Dann laufe ich weiter.

Die Schmerzen im Fuß werden unerträglich und auch mein unterer Rücken bringt mich um. Auf dem Damm zur Insel muss ich immer wieder kurze Gehpausen einlegen und ich überlege ernsthaft, das Rennen abzubrechen. Okay, nicht wirklich ernsthaft, aber ich bin mental und körperlich am Tiefpunkt angelangt. Der einsetzende Regen passt zu meiner Gemütslage.

Dann sehe ich Franzi an der Strecke und frage sie nach meiner Platzierung. Sie sagt: “Der Tracker funktioniert nicht, aber ich glaube, du bist Erster”.
Ich bezweifle stark, dass das stimmt und glaube eher, dass sie keine Ahnung hat, wie ich platziert bin und mich lediglich zu motivieren versucht.
Wie auch immer, es funktioniert.

Ein Sieg der Altersklasse wäre nach diesem durchwachsenen Tag der absolute Hammer. Ich nehme mir vor, dass ich versuche, die letzte Runde ohne weitere Pause durchzulaufen. Da die Massageversuche ohnehin nichts gebracht haben, versuche ich den Schmerz so gut es geht zu ignorieren. Ich muss nur noch 50 Minuten durchhalten.

Bayman 2026 Damm

Den Altersklassensieg vor Augen

Doch jetzt setzt natürlich die Paranoia ein. Jeder Läufer, der mir an der Wende entgegenkommt, könnte ein potentieller Gegner sein, der mir den Altersklassensieg streitig machen könnte.
Von hinten höre ich schnellere Schritte und sehe schon meinen Sieg schwinden. Ich bin erleichtert, als ich erkenne, dass ich von einer Frau überholt werde. Sie läuft mit einem 4:40er Pace locker an mir vorbei.
Ich ergreife die Chance und hefte mich an ihre Fersen. Vielleicht kann ich das Tempo die letzten 8 Kilometer noch mitgehen. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar dafür, eine Pacemakerin zu haben.

Es geht ein letztes Mal die verfluchte Böschung hinauf und über die Brücke. Wieder in den Gegenwind. Die Verpflegungsstationen lasse ich links liegen. Ich will meine Tempomacherin nicht verlieren.
Als es am Zielbereich vorbei wieder auf den Damm zur Insel geht, stehen Michelle und Franzi an der Strecke und Michelle bestätigt: “Du bist Erster und hast 9 Minuten Vorsprung”

Bayman 2026 Laufen mit Aussicht

Nur noch fünf Kilometer

Krass, damit hätte ich nicht gerechnet. Es sind noch 5 Kilometer bis zum Ziel. Wenn nichts Schlimmeres passiert, dann ist mir der Sieg beim Bayman eigentlich nicht mehr zu nehmen.
Trotzdem lasse ich jetzt nicht mehr locker. Die Läuferin vor mir ist Gold wert. Ich darf auf gar keinen Fall abreißen lassen. Es hilft so ungemein, wenn man eine Orientierung hat, auf die man sich konzentrieren und alles andere ausblenden kann.

An der Wende vor der Stadtmauer dann die Überraschung. Meine Tempomacherin läuft geradeaus in die Stadt. Die Arme ist auf ihrer ersten Runde.

Für mich geht es mit Rückenwind alleine weiter dem Ziel entgegen. Ein Schritt vor den anderen. Jetzt nicht mehr nachlassen.
Ich passiere das 40-Kilometer-Schild und kann die Schleuse mit dem Zielkanal bereits am Horizont sehen.

Stetig nähere ich mich der Ziellinie und dann geht es zum letzten Mal auf die Schleuse, wo ich auf den Zielteppich abbiegen darf.
Die Qualen haben ein Ende. Ich habe es mal wieder geschafft.

Bayman 2026 KM 40
Bayman 2026 Die letzten Meter

Im Ziel des Bayman

Direkt hinter dem Ziel nimmt Michelle mich in die Arme und wir tapsen zusammen in den After-Race-Bereich, wo ich mich endlich mit einer kalten Cola hinsetzen darf.

Nur wenige Minuten später kommt auch Markus ins Ziel, den ich offenbar irgendwo auf den letzten Kilometern überholt habe.
Wir haben es alle geschafft.

Im Zielbereich gibt es einiges an Verpflegung, aber an feste Nahrung ist nicht zu denken. Da wir recht schnell anfangen zu frieren, machen wir uns auf den Weg zur Umkleide. Selbst mit Pulli, Jacke und Mütze ist mir noch nicht richtig warm.

Es ist schon kurz nach 18 Uhr und es beginnt bereits zu dämmern. Ich checke meine Zeiten im Tracker. Mit 9:59:17 bin ich doch noch knapp unter 10 Stunden geblieben. Vielmehr überrascht mich, dass ich neben dem ersten Platz in der Altersklasse im Gesamtklassement auf den 14. Platz gekommen bin.

Bayman 2026 Zieleinlauf

Die Siegerehrung beim Bayman

Laut Athleten-Guide soll die Siegerehrung um 19 Uhr beginnen. Doch auch um kurz nach 19 Uhr tut sich am Podium noch gar nichts. Wir versuchen, Näheres in Erfahrung zu bringen, da wir doch alle ziemlich angeschlagen sind und nach Hause wollen. Doch keiner der Helfer kann uns weiterhelfen.
Es ist schon fast dunkel, als um 19:30 Uhr die Trophäen vergeben werden. Zum Glück geht das Ganze recht schnell vonstatten und zum Glück regnet es nicht.
Das Warten hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, denn die Trophäe des Bayman ist, genauso wie die Medaille, wirklich ein ganz besonders schönes Stück.

Direkt im Anschluss holen wir unsere Räder und Wechselbeutel und machen uns auf den langen Weg zum Auto. Es ist zwischenzeitlich stockdunkel und wir haben etwas Mitleid mit den Athleten, die mit Stirnlampe weiterhin ihre Runden ziehen.

Während wir auf dem Rückweg sind, beginnt es erneut stark zu regnen. Die Wettervorhersage lag heute wirklich maximal daneben.

In unserer Unterkunft werfen wir den Hawaii-Stream an und schauen die Ironman-Weltmeisterschaft. Ich halte tatsächlich bis zum Zieleinlauf von Laura Philipp durch. Vielleicht habe ich doch das eine oder andere Maurten Gel mit Koffein zu viel zu mir genommen, aber das Rennen war ja auch unfassbar spannend.
Nach einem fast 24-Stunden-Tag und zwei Triathlon-Langdistanzen falle ich todmüde ins Bett. Was für ein Tag.

Bayman 2026 The Ramones
Bayman 2026 Siegerehrung

Mein Fazit zum Bayman

Der Bayman ist spektakulär und die Rennvideos haben nicht zu viel versprochen. Es gibt wohl nicht viele Triathlons, die mit einer vergleichbaren Kulisse aufwarten können.

Der Knackpunkt ist das Wetter. Es ist eben die Normandie im Oktober.
Laut meiner Garmin-Uhr hatte das Wasser sogar nur 14°C und nach Aussage des Veranstalters im Jahr zuvor sogar nur 12°C. Das ist schon sehr extrem, gerade für eine Frostbeule wie mich.

Auch von der relativ flachen Radstrecke sollte man sich nicht täuschen lassen. Ich glaube, windstill ist es hier wahrscheinlich nie und so gilt hier “aero is everything” umso mehr. Da es fast auschließlich durch Felder oder offenes Gelände geht, ist man dem Wind schutzlos ausgeliefert.
Die Strecke ist, obwohl nicht voll gesperrt, super zu fahren. Die Streckenposten haben wirklich einen hervorragenden Job gemacht und auch die Autofahrer waren alle sehr entspannt. Lediglich der Straßenbelag ist – typisch für Frankreich – eher bescheiden.

Die Laufstrecke entlang des Mont-Saint-Michel ist das absolute Highlight. Aber auch hier darf man sich von den kaum vorhandenen Höhenmetern nicht täuschen lassen. Der Wind ist hier der wahre Gegner.
Der Support an der Laufstrecke war auch super. Immer wieder wurde ich mit Namen angefeuert und trotz des ekligen Wetters war viel los.

Die Organisation ist perfekt, obwohl es sich bei dem Bayman um ein recht junges Rennen handelt. Einziges Manko ist die Verpflegung auf dem Rad. Hier wären zumindest große Flaschen eine wünschenswerte Verbesserung. Sonst habe ich aber im Vergleich zu einem Ironman-Rennen nichts vermisst.
Die Medaille aus Holz und auch das Finisher-Shirt sind sehr hübsch. In Sachen Preis-Leistung schlägt der Bayman die großen Veranstalter um Längen.

Wer eine Herausforderung ohne großen Namen sucht, der ist in der Normandie auf jeden Fall an der richtigen Adresse. Der Bayman ist definitiv ein Wettkampf, von dem man in Zukunft noch mehr hören wird.

Bayman 2026 Trophäe

Strava Aktivitäten zum Bayman XXL 2026
– 3800m Schwimmen
– 180km Rad
– 42,2km Laufen

Infos zum Bayman auf der Veranstalter Webseite

Photos: Franzi Krämer, PhotoRunning & Patti Ramone