Frankfurt Marathon 2022 – Die drei von der Tankstelle

Nach 2 Jahren Corona-Pause ist nun auch der Frankfurt Marathon zurück auf der Sportbühne. Frankfurt ist mein Haus- und Hof-Marathon, den ich seit 2011 jedes Jahr laufe. Eine Serie, die nur durch den Ironman Hawaii 2018 und eben durch Corona unterbrochen wurde.
Am Sonntag sollte es für mich also zum neunten Mal an den Start des Marathon durch die Mainmetropole gehen.

Nur gut drei Wochen nach dem Ironman Hawaii war natürlich klar, dass es bei diesem Lauf nicht um Rekorde und Bestzeiten für mich gehen wird. Doch ein Marathon unter 3 Stunden sollte es schon werden und wurde auch von meinem Coach abgenickt.

Auf Instagram fand sich relativ spontan eine kleine Sub3-Crew zusammen.
Der erste im Boot war Josia. Ihn habe ich beim Paris Marathon im Frühjahr kennengelernt, wo wir auch schon die kompletten 42 Kilometer zusammen gelaufen sind. Er ist ein erfahrener Pacemaker, der in den letzten acht Wochen sage und schreibe fünf Marathon gelaufen ist.
Dazu gesellte sich noch Thomas von der R/O/C Crew, der auf Grund einer Verletzungspause sein 2:35-Ziel beerdigte und sich uns anschloß.
Komplettiert wurde unsere Gruppe von Lukas und Jannis, die beide zum ersten Mal unter 3 Stunden laufen wollten.

Die Wettervorhersage prognostizierte frühlingshaftes Wetter bei gut 20°C und Sonnenschein. Für den Frankfurt Marathon äußerst ungewöhnlich und für viele Läufer ein echtes Manko.

Messebesuch am Freitag

Am Dienstag vor dem Marathon telefoniere ich mit meiner Mutter. “Dich konnten wir in der Startliste finden, aber was ist mit Michelle?”. Ein Blick in die Startliste bestätigt, dass Michelle nicht gelistet ist.
Darauf angesprochen war sie erstmal sehr überrascht. Doch ein hektisches Durchwühlen des Email-Postfach ergab, dass sie es wohl irgendwie vergessen hatte sich zu registrieren. Zum Glück kann man sich beim Frankfurt Marathon bis zum Tag vor dem Rennen noch anmelden und zum Glück hat meine Mutter uns darauf hingewiesen, denn sonst wäre es am Samstagabend wahrscheinlich zu einem Drama gekommen.

Also mussten wir am Freitag Nachmittag nach Frankfurt, um Michelle nachzumelden. 
Die Nachmeldung ging auch fast reibungslos über die Bühne. Nur leider versagte das Gerät zur Kartenzahlung seinen Dienst und zur Barzahlung fehlten uns ganze zwei Euro.
Dankenswerterweise konnten wir beim netten Mitarbeiter von Mika-Timing einen 5-Euro-Schein via Paypal erwerben und so dann doch noch den Startplatz für Michelle bezahlen.
Es lebe die Technik.

Der Besuch der Messe endete damit, dass wir über eine Stunden am Incylence Stand verquatschen, um dann für einen kurzen Plausch bei ON vorbeizuschauen und dann von der Security etwas schroff aus der Halle gebeten zu werden.

Das Einzige, was ich von der Messe wahrgenommen habe: sie ist deutlich kleiner als in den Jahren davor.
Auch hier merkt man, dass aktuell die Sportveranstaltungen und Ausrichter echt zu kämpfen haben, denn auch das Teilnehmerfeld war in diesem Jahr deutlich kleiner als sonst.
Hoffen wir mal, dass sich das bald wieder einpendelt.

Frankfurt Marathon

Der Ablauf beim Frankfurt Marathon ist für uns mittlerweile Routine. Ich bin ja immerhin schon zum neunten Mal hier.

Traditionell wird in der Nacht zum Sonntag die Zeit umgestellt, so dass man eine Stunde Schlaf geschenkt bekommt.
Sonntags morgens ist die Autobahn nach Frankfurt schön leer und wir sind innerhalb von einer Dreiviertelstunde im Messe-Parkhaus. Dann geht es mit dem Shuttlebus in die Messehalle.

Pünktlich versammelt sich die Sub3 Crew am Incylence Stand. Auch meine Eltern schauen kurz vorbei und begeben sich dann an die Strecke zum Supporten. Ein schnelles Gruppenfoto und ich verabschiede mich von Michelle und wir gehen zum Start.

Die Sub3 Crew

Frankfurt ist der Marathon der kurzen Wege und der Rolltreppen. Das ist wirklich ein großer Pluspunkt. Man kann sich wirklich bis kurz vor dem Start in der warmen und trockenen Messehalle aufhalten. Super stressfrei.

Fünf Minuten vor dem Startschuss sind wir im ersten Startblock. Der Startschuss zum Frankfurt Marathon fällt und es geht los.

Leider befinden sich in Frankfurt immer recht viele Läufer im ersten Block, die dort eigentlich nichts zu suchen haben. Das führt auf den ersten Kilometern zu einer sehr vollen Strecke, mit viel Gerangel und Ausweichmanövern. Ich werde nie verstehen, warum man sich nicht in den Block stellt, der seinen Möglichkeiten entspricht. Das ist doch für alle nicht geil, wenn man sich durch die langsameren Läufer schlängeln muss.

Unsere kleine Gruppe hat sich einen 4:14er Pace vorgenommen. Doch bereits nach 2 Kilometern sind wir gut zwei Sekunden pro Kilometer zu schnell und schlagen teilweise ein noch schärferes Tempo an.
Das hat zur Folge, dass wir bereits nach knapp zehn Kilometern unsere Sub3-Rookies verloren haben. Da haben wir unseren Pacemaker-Job nicht so richtig gut gemacht. Sorry!

Zu dritt geht es weiter und der durchschnittliche Pace pendelt sich bei 4:10 ein. Eigentlich ist mir das ein bisschen zu schnell, aber es läuft ganz gut. Dadurch, dass wir permanent am Quatschen sind, vergeht die Zeit recht fix und wir passieren die Halbmarathon Marke bereits nach 1:28:06. 

Das Wetter zeigt sich von seiner allerbesten Seite. Gute 20°C und strahlend blauer Himmel. Viele hätten wohl einen kühlen Herbsttag bevorzugt. 

Es geht nach Höchst und dann zurück Richtung Frankfurt über die Mainzer Landstraße. Mir schmerzen mittlerweile sowohl das Sprunggelenk als auch die Waden. Erste Zweifel kommen auf, ob ich das Tempo bis zum Ende durchhalten kann.

Spätestens nach 35 Kilometern ist für mich der Spaß und der lockere Lauf zu Ende und ich muss mich doch arg zusammenreißen.
Leicht verzweifelt gebe ich den Pace des letzten Kilometer durch: “4:08, wir sind zu schnell”. Gefolgt von: “4:10, wir sind wieder zu schnell”.
Doch Thomas ist gnadenlos. Er lässt zwar immer kurz ein bisschen das Tempo sinken, um dann nach wenigen Metern wieder anzuziehen.
Teilweise springt die Anzeige sogar auf unter vier Minuten pro Kilometer. 
Auch Josia wird immer ruhiger und wirft nur ein “Wir müssen doch nicht noch schneller laufen” ein.

Frankfurt Marathon über den Main

Ich muss wirklich beißen, als es auf die letzten Kilometer durch die Innenstadt geht. Das tut jetzt doch echt weh. Ich bin wirklich kurz davor, die beiden ziehen zu lassen. Doch ich kann der Verlockung zum Glück widerstehen.

Man sieht viele, die auf der Strecke richtig leiden und dem sehr warmen Wetter Tribut zollen. Sanitäter und Krankenwagen haben einiges zu tun. Da habe ich durch meinen Hawaii Aufenthalt doch einen kleinen Vorteil durch die Hitzeadaption, denn die 20°C empfand ich heute als sehr angenehm. 

Wir sind bei Kilometer 40. Niemand von uns redet mehr. Auch Thomas muss jetzt Federn lassen und ich merke, dass das Tempo signifikant zu sinken beginnt.
Ich bin im Tunnel und weigere mich, auf den letzten beiden Kilometern noch Zeit liegen zu lassen. Weh tut es sowieso, dann lieber schnell das Leiden beenden.

Wir ziehen uns gegenseitig. Sobald einer einen Schritt nachlässt, springt der nächste nach vorn. Das hilft enorm. Ich glaube, allein hätte von uns so bis zum Ende keiner durchgezogen. Echtes Teamwork.
Es geht auf die letzte lange Gerade, bevor wir in die Festhalle abbiegen.

Festhalle. Roter Teppich. Scheinwerfer. Nebel. Cheerleader. Laute Musik. Der Zielbogen. 2:56:36. Schmerz.

Der Zieleinlauf in der Gudd Stubb

Mir tut wirklich alles weh. Selbst Muskelgruppen, von denen man es eher nicht erwarten würde, lassen mich wissen, dass das heute ein hartes Stück Arbeit war. Umso mehr freue ich mich über die Zeit, denn im Vorfeld war ich mir gar nicht so sicher, ob das mit dem Sub3 überhaupt klappt. 

Wir sind alle ziemlich fertig und sehr zufrieden.

Nach der Zielverpflegung warte ich auf Michelle, die leider sehr enttäuscht von ihrem Tag ist.

See you next year

Frankfurt hat sich wieder von seiner besten Seite gezeigt. Der Frankfurt Marathon ist einfach von vorne bis hinten perfekt organisiert. Da hat sich seit dem letzten Frankfurt Marathon 2019 nichts geändert. Ich kann wirklich nicht meckern.

Und so werde ich wohl auch im nächsten Jahr wahrscheinlich wieder nach Frankfurt kommen, um beim 40. Frankfurt Marathon mit meinem 10. Finish in den Frankfurt Marathon Club aufgenommen zu werden und meine persönliche ewige Startnummer zu erhalten.

Aber jetzt ist erstmal Saisonpause. Oder?

Frankfurt Marathon 2022 Medaille

Strava Aktivitäten zu diesem Rennen

Infos zum Frankfurt Marathon auf der Veranstalter Webseite