Ironman 70.3 Luxemburg – Ein versöhnliches Ende

Puh, wo fange ich beim Bericht zum Ironman 70.3 Luxemburg am besten an?
Da der Ironman 70.3 Luxemburg so eine lange Vorgeschichte hat, teile ich den Bericht mal besser in zwei Teile. Wer sich also nur für den Rennbericht interessiert, der scrollt am besten direkt etwas nach unten.

Die Vorgeschichte zum Ironman 70.3 Luxemburg

Angemeldet habe ich mich für das Rennen zusammen mit Michelle im August 2019 in dem Glauben, dort im Juni 2020 zu starten. Dann habe ich einen Startplatz für den Ironman Lanzarote für Ende Mai 2020 gewonnen. Da mir eine Mitteldistanz nur drei Wochen nach der harten Langdistanz in Spanien zu heftig gewesen wäre, habe ich in den sauren Apfel gebissen und gegen Gebühr auf den 70.3 in Zell am See umgebucht. Der wäre Ende August die perfekte Vorbereitung auf den Ironman Hawaii gewesen.
Dann kam Corona und Zell am See wurde abgesagt -wie so ziemlich alles andere auch, inklusive der Weltmeisterschaft auf Hawaii und natürlich auch dem Rennen in Luxemburg. Als Ausgleich für das abgesagte Rennen in Österreich bekam ich von Ironman einen Gutschein.

Auf der Suche nach einem Vorbereitungsrennen für den Ironman Barcelona in diesem Jahr kam dann wieder Luxemburg ins Gespräch. Michelle war dort sowieso noch angemeldet, der Termin günstig und das Rennen noch nicht ausgebucht.
So nutzte ich den Voucher um mich erneut für den Ironman 70.3 Luxemburg anzumelden.
Verrückte Zeiten.

Servicewüste Ironman

Der Termin für das Rennen rückte immer näher, doch Informationen vom Veranstalter gab es keine. Auch der Athleten-Guide, der laut Ironman Homepage drei bis vier Wochen vor dem Rennen veröffentlicht werden sollte, ließ auf sich warten.
Knapp drei Wochen vor dem Rennen hörten wir dann die Gerüchte, dass es Probleme mit der Schwimmstrecke gibt.

Bereits für den abgesagten 70.3 Luxemburg im Jahr zuvor wurde die ursprüngliche Schwimmstrecke aus der Mosel in einen nahegelegenen See verlegt. Da es aber in dem See ein massives Blau-Algen-Problem gab, durfte dort nicht geschwommen werden und das Rennen kurzfristig gestrichen. Das hat schon damals einen sehr schlechten Eindruck hinterlassen.
Nun hieß es also wieder: im See steigt die Blau-Algen-Konzentration und das Schwimmen ist äußerst fraglich und für einen Wettkampf in der Mosel stellten sich wohl die Behörden quer.

Wir rechneten also mit einem Duathlon, bei dem das Schwimmen durch einen kurzen Lauf ersetzt wird und warteten auf eine offizielle Information von Ironman.
Doch die kam nicht. Auch der Shitstorm auf Facebook erzeugte keine Reaktion von Seiten des Veranstalters. Die Athleten wurden zu Recht immer ungehaltener.

Neun Tage vor dem Rennen kam dann die Nachricht:
Das Schwimmen fällt aus! Das Rennen wird als Bike & Run ausgetragen.

Schwimmabsage via Facebook

Jetzt ging der Shitstorm erst richtig los und auch ich war ziemlich angepisst.
Ironman wusste bereits aus dem Vorjahr, dass der See anfällig für Blau-Algen ist und hat es in der ganzen Zeit nicht geschafft, einen Plan B für dieses Szenario bereitzuhalten?
Das ist wirklich ein schlechter Scherz.

Vom Athleten-Guide und dem Athleten-Briefing will ich gar nicht erst anfangen. Die waren beide einfach nur schlecht und sorgten für mehr Verwirrung, als dass sie geholfen hätten, offene Fragen zu klären. Ich sage nur: keine Socken zum Rennstart.

Man zahlt bei Ironman recht hohe Startgelder und konnte sich bisher zumindest relativ sicher sein ein top organisiertes Event zu bekommen. Doch was seit Corana kommunikationsmäßig bei Ironman läuft, ist einfach nur schlecht. Das dann auch nur ein Teil der bezahlten Leistungen erbracht und trotzdem der volle Preis einbehalten wird, ist zumindest äußerst fragwürdig.
Man kann das Gefühl bekommen, dass Ironman austestet, wie weit man es mit den Athleten treiben kann, bis die Schmerzgrenze erreicht ist.

Schlechte Nachrichten

Eigentlich hatten wir mit Astrid und Matthias eine gemeinsame Unterkunft direkt in Remich, dem Ort des Rennens. Doch eine knappe Woche vor dem Rennen bekommen wir die Absage wegen eines Corona-Falls im Haus.

Was tun? Das nächste freie Hotel ist gut 30 Kilometer entfernt. Die Alternative wäre Samstags und Sonntags jeweils die 200 Kilometer nach Luxemburg zu fahren und zu Hause zu schlafen.
Nach kurzer Beratung entschieden wir uns für das Hotel.

Das Rennen schien verflucht. Zu allem Überfluss meldete die Wettervorhersage Gewitter für das Wochenende. Ich rechnete schon mit dem Rennabruch in letzter Minute wegen aufziehender Unwetter. Es hätte gepasst.

Der Tag vor dem Rennen

Am Freitag morgen treffen wir uns mit Astrid und Matthias, um nach einem Kaffee gemütlich nach Luxemburg zu fahren.
Nach gut zwei Stunden sind wir in Remich, um unsere Startunterlagen abzuholen.
Das ging super fix. Erst musste man seinen 3G-Nachweis erbringen und bekam dann seine Startnummer. Dabei musste man einen von vier Zielzeitbereichen auswählen und wurde dann entsprechend eingruppiert.
Ich entschied mich für die erste Kategorie und bekam die Nummer 48. Damit war meine Befürchtung schon mal zerstreut, dass ich mit dem Rad durch das halbe Starterfeld fahren muss, weil mir ein hinterer Startplatz zugelost wird.

Was auch ungewöhnlich war, es gab mal wirklich hochwertige Giveaways. Ein Schweiß-Diagnose Kit und ein hochmodernes Glukose-Messsystem, dass ursprünglich für Diabetiker entwickelt wurde. Damit kann man via Bluetooth in Echtzeit seinen Blutzuckerspiegel messen. In dem Moment war ich schon etwas versöhnter mit dem Rennen. Statt des sonstigen Nippes war das wirklich mal was richtig cooles. Auch der obligatorische Rucksack ist ganz gelungen und hochwertig. Aber mal ganz ehrlich: wieviele Rucksäcke braucht ein Triathlet?

Was man allerdings nicht verstehen muss, warum man die zwei Zelte zur Registierung nicht an der Wechselzone aufgestellt hat, sondern 5 Kilometer entfernt am Zielbereich.
So gab es nur unnötige Fahrerei und logistische Probleme.

Der Rad-Checkin ging auch wieder reibungslos. Die Wechselzone auf einem Kunstrasenplatz bot enonrm viel Platz für jeden. Wäre schön, wenn das in Zukunft so bleiben würde und man nicht Lenker an Lenker in die Wechselzone gequetscht wird.

Dann ging es ins Hotel und nach der obligatorischen Pasta auch früh ins Bett.

Ironman 70.3 Luxemburg – Raceday

Nach einem spartanischen Honigtoast- & Kaffee-Frühstück fuhren wir nach Remerschen, wo sich am See die Wechselzone und der Start befand.
Der See sieht übrigens sehr schön aus und ist, wenn man denn darf, sicher eine tolle Schwimmlocation.

Wechselzonenromantik

Die Vorbereitung sah diesmal etwas anders aus. Da man nicht schwimmen musste, konnte man sich direkt für das Radfahren bereitmachen und Helm, Schuhe und natürlich auch Socken bereits zu Rennbeginn anziehen.

Um 9:10 Uhr sollte es dann endlich losgehen und alle 3,5 Sekunden ein Athlet starten. Ich schätze, dass ich ungefähr an Position 100 auf die Strecke gehen sollte. Warum nicht als 48er? Irgendwie wurde noch eine Reihe mit 100er Startnummern an den Anfang gestellt. Warum auch immer.

Als sich für mich die rote Fahne zum Start hob, war es schon etwas komisch auf Radschuhen zur Startline zu rennen und dann einen Kaltstart hinzulegen.

Ballern

Die ersten 40 Kilometer der Strecke gehen an der Mosel entlang und sind dementsprechend flach und sehr schnell. Der gute Asphalt tut sein Übriges.

Ich finde mich in einer Dreier-Gruppe wieder und so gilt es: Kopf runter und drücken.

Doch irgendwie gelingt es mir nicht, die geplanten Watt aufs Pedal zu bringen. Was ist da los? Liegt es am Kaltstart oder ist heute einfach nicht mein Tag?

Im Nachhinein zeigt sich, dass die negativen Gedanken etwas übertrieben waren, denn es reichte trotzdem zu einer neuen persönlichen Bestzeit über 40 Kilometer mit einem Schnitt von 42,7km/h.

In die Weinberge

Nach 40 Kilometern ist es vorbei mit dem Flachstück und es geht recht steil in die Weinberge des Moseltals.
Die nächsten 40 Kilometer sollten sich über 650 Höhenmeter mit hügeligen Anstiegen und schnellen Abfahrten durch das Luxemburger Hochland schlängeln.
Und da war es wieder, mein Problem mit den Abfahrten.

Der Kopf will hier nicht zu viel Risiko eingehen und deshalb wird die Bremse immer wieder mal früher als notwendig gezogen. Das kostet natürlich Zeit.
Erschwerend kam heute hinzu, dass die Straßen vom morgentlichen Regen ziemlich nass waren und wer es kennt, der weiß, dass Felgenbremsen auf Carbonlaufrädern, da nicht ganz so optimal sind.

Die Straßen sind nass

Es war also wie immer. In den Abfahrten verlor ich den Anschluss. Konnte zwar in den Anstiegen immer wieder etwas aufholen, aber irgendwann wurde der Abstand dann immer größer und ich war allein auf der Strecke.

Doch bei den zahlreichen Stürzen, die es im Rennen gab, fühle ich mich dann doch auch irgendwie bestätigt. Lieber ein paar Minuten liegen lassen und dafür heil im Ziel ankommen.

Es war schon ein komisches Gefühl fast 30 Kilometer alleine zufahren. Kein Athlet vor mir, keiner hinter mir. Das hatte ich bei einem Rennen noch nie.
Das Startprozedere und die Tatsache, dass man beim Ironman 70.3 Luxemburg nur eine Radrunde fährt, begünstigen so eine Rennsituation natürlich.
Der einzige Ansporn bleibt in dem Moment die Anzeige des Powermeter.

Die abwechslungsreiche Strecke in den Hügeln hatte aber den Vorteil, dass meine Beine auf einmal doch wollten und ich meine Wattvorgaben doch noch erreichte.

Als es dann wieder runter zur Mosel ging, konnte ich auch wieder auf zwei Fahrer aufschließen. Ich entschied mich, auf den letzen Kilometern nicht mehr auf Attacke zu fahren und lieber die Beine auf den kommenden Lauf vorzubereiten. Auf dem letzten Flachstück hätte es kaum etwas gebracht nochmal viel Energie zu investieren.

Es geht auf die Laufstrecke

Ich habe einen guten Wechselplatz und so schaffe ich den Wechsel auf die Laufstrecke in unter einer Minute.

Von der Wechselzone geht es dann 4 Kilometer Richtung Remich, wo es dann noch 2 Runden zu laufen gilt.
Ich schlage einen Pace von 3:40 an. Etwas schneller als geplant, aber mit negativen Laufsplits konnte ich noch nie punkten. Also lieber nach dem Motto „was man hat, das hat man“.

Die ersten 5 Kilometer sind einfach nur trist. Kein Mensch weit und breit. Keine Athleten, keine Zuschauer, niemand. Als der Weg in einen Park abzweigt, bin ich mir sogar kurz nicht sicher, ob ich nicht auf die Straße hätte wechseln müssen. Doch dann kommt ein Hinweisschild, das mir zeigt, dass ich doch richtig bin.
Erst nach 5 Kilometern laufe ich auf den ersten Athleten vor mir auf.

In Remich selbst sind dann auch einige Zuschauer an der Strecke und feuern an was das Zeug hält. Kurz vor der ersten Wende sehe ich Astrid am Rand und bitte sie, mir auf der nächsten Runde meine Position durchzusagen.
Durch den verzögerten Start habe ich keine Ahnung wo ich im Feld liege. Ich weiß lediglich, dass noch etwa 30 Starter vor mir sind. Aber theoretisch können ja auch hinter mir noch deutlich schnellere Athleten unterwegs sein. So ein richtiger Wettkampf ist das nicht, wenn man keinen direkten Konkurrenten hat.

Der Motivationstrick

Als mir Astrid dann nach etwa 14 Kilometern sagt, dass ich auf dem siebten Platz in der Altersklasse stehe, bin ich schon etwas enttäuscht. Ich hätte eine bessere Platzierung erwartet.
Okay, dann sind wohl heute einfach einige Athleten besser als ich. Ich überlege, wie ich mit der Information umgehe. Soll ich jetzt auf der letzten Runde lieber etwas rausnehmen und mich für den Ironman Barcelona in drei Wochen schonen? Ob ich nun Siebter oder Zehnter werde, ist ja dann auch egal.
Doch dann denke ich an das Rennen beim Ironman Vichy. Auch dort wollte ich beim Laufen das Rennen schon abschenken und habe es dann doch noch geschafft aufs Podium zu laufen. Das Rennen ist erst auf der Finishline zu Ende. Wer weiß wie schnell die Jungs vor mir überhaupt laufen? Vielleicht bricht der ein oder andere ja noch ein?

Auf der Laufstrecke alles geben

Ich hole also tief Luft und drücke nochmal aufs Tempo. Mittlerweile hat sich die Laufstrecke gefüllt und ich überhole soviele LäuferInnen wie es geht.
Die letzen 2 Kilometer tun schon richtig weh, aber ich will mir am Ende nichts vorwerfen.

Nach 21 Kilometern biege ich auf den Zielteppich. Die letzen Meter und dann ist es geschafft. Ich kann stehen bleiben. Endlich.
Auf der Uhr stehen 3:47:53. Ist das gut? Keine Ahnung. Aber mit einem Halbmarathon knapp über 1:20 bin ich super zufrieden.

After Race

Ich gehe direkt in den Athleten Garten und schnappe mir den Beutel mit meinen Klamotten. Dann wanke ich zum Redbull Stand und genehmige mir drei Dosen der klebrigen Koffeinbrühe. Die beiden Sondereditionen schmecken so widerlich, dass das normale Redbull dagegen richtig gut schmeckt.

Dann setze ich mich erstmal auf den Boden und zücke mein Handy um die Ergebnisliste zu checken.
2. Platz in der Altersklasse und 9. gesamt. Geil! Die Mühe wurde also belohnt!

Ich bin baff und kann es kaum glauben. Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich schaue mir die Zwischenzeiten an und stelle fest, dass ich bereits nach 10 Kilometern auf dem dritten Platz war und nach 15 auf dem Zweiten. Astrid hatte mir den Stand nach dem Radfahren durchgegeben. Ich muss lachen. War das jetzt ein Motivationstrick?

Ich begebe mich zu Astrid an die Strecke, um Michelle und Matthias anzufeuern, da beide noch auf der Strecke sind. Astrid ist mit ihrer Kuhglocke leicht zu finden und zu hören.

Support beim Ironman 70.3 Luxemburg

Michelle muss auf ihrer letzten Runde mit Atemproblemen kämpfen und ich mache mir etwas Sorgen. Doch sie schafft den Zieleinlauf mit einem Lächeln und auch Matthias ist mit seinem Rennen zufrieden. Ein rundum gelundener Tag für unsere Reisegruppe.

Wir müssen noch bis 18 Uhr warten, da ich erst dann meinen Award abholen kann und das ungeduscht, denn wegen Corona fällt auch das flach. Genauso wie die eigentlich dringend benötigte Massage.
Etwas unspektakulär bekomme ich dann meine Trophäe in die Hand gedrückt. Corona halt. Kennt man ja.

Award-Ceremony

Was bleibt als Fazit zum Ironman 70.3 Luxemburg?

Am Ende bin ich mit dem Tag und dem Rennen zufrieden.
Natürlich ist die Euphorie über die gute Platzierung ein Faktor und lässt das Rennen gleich in einem besseren Licht erscheinen.
Aber wenn man mal von dem ganzen Mist absieht, der im Vorfeld des Wettkampf gelaufen ist, muss man sagen, dass der Ironman 70.3 Luxemburg 2021 ein schönes Rennen war.

Die Organisation von Ironman ist beim Rennablauf top. Alles was standardisiert ist, das funktioniert und ist einfach gut. Da gibt es nichts zu meckern. Aber man merkt, dass das Büro von Ironman in diesen Zeiten absolut überfordert und unterbesetzt ist. Viel zu wenig Kommunikation nach außen, späte Reaktion auf Emails und keine Erreichbarkeit per Telefon. Da kann man von einem Premiumanbieter mehr erwarten.

Die Radstrecke ist super schön und sehr abwechslungsreich. Die Laufstrecke ist auch schön zu laufen und kurzweilig. Ich kann mir vorstellen, dass mit einem normal großen Starterfeld und entsprechend Zuschauern hier bestimmt tolle Stimmung ist.
Und wenn man in dem wirklich schönen See schwimmen darf, dann ist der Ironman Luxemburg sicher ein richtig gutes Rennen.

Ich persönlich bin aber erstmal nicht mehr bereit die hohen Startgebühren für eine Mitteldistanz bei Ironman zu zahlen und werde, wie in der Vergangenheit, lieber wieder die kleineren Rennen buchen. Selbst, wenn das Rennen seinen normalen Gang nimmt, ist für mich der Preisbogen bei den 70.3 deutlich überspannt worden.

Nächstes Jahr heißt es dann eher wieder Indeland, Moret oder Frankfurt City Triathlon.

Medaille & Award Ironman 70.3 Luxemburg

Strava Aktivitäten zu diesem Rennen: bike run

Infos zum Ironman 70.3 Luxemburg auf der Veranstalter Webseite