Königsforst Marathon 2020

Es sah lange so aus, als ob 2020 mein erstes Jahr ohne Marathon seit 10 Jahren werden sollte. Eigentlich war der Frankfurt Marathon immer mein traditioneller Saisonabschluss.

Da aber schon relativ früh klar war, dass er dieses Jahr nicht stattfinden würde, war ich auf der Suche nach Alternativen. Doch jedes Rennen das zumindest theoretische Chancen auf eine Austragung hatte, wurde nach und nach abgesagt. Bis auf den Königsforst Marathon bei Bergisch-Gladbach.

Königsforst Marathon

Den Königsforst Marathon hatte ich schon länger im Visier. Ich dachte, wenn ein Marathon stattfinden kann, dann doch eine relativ kleine Veranstaltung mit einer Laufstrecke im Wald.
Das Problem war nur, dass die Anmeldung geschlossen war. Doch die Anmeldung wurde noch einmal für ein kleines Kontingent geöffnet und so konnten Michelle und ich noch einen Startplatz ergattern. Sollte es 2020 doch noch zu einem versöhnlichen Saisonabschluss kommen?

Eine wichtige Änderung

Doch leider begannen die Infektionszahlen Anfang Oktober massiv anzusteigen. Meine Befürchtung, dass der Marathon der Pandemie zum Opfer fallen würde, stieg zusehends. Ich rechnete jederzeit mit einer Absage von Seiten des Veranstalters.

5 Tage vor dem Rennen kam die Mail: „Eine wichtige Änderung“.
Puh, erstmal doch keine Absage! Aber aufgrund der stark steigenden Infektionszahlen wurde das angekündigte Konzept komplett überarbeitet.

Statt einer Veranstaltung mit knapp 1000 Läufern an einem Tag und kleinen Startwellen, wurde das ganze noch einmal drastisch reduziert. So sollten am Sonntag nur noch 25 Starter alle 10 Minuten auf die Strecke gehen. Die Folge davon war eine Reduktion des Feldes auf knapp 400 Starter und das Angebot von zwei weiteren Sonntagen, an denen ein Halbmarathon stattfinden soll. Außerdem galt es sich erneut für den Lauf anzumelden. Es musste also schnell gehen und wir waren sehr froh, dass wir erneut einen Slot für die Veranstaltung bekommen haben.

Doch in trockenen Tüchern war das Rennen damit noch lange nicht. Frankfurt , Mainz und schließlich auch Bingen wurden zu Risikogebieten. Bergisch-Gladbach, der Ort des Marathon, stand auch kurz davor. Dürfen wir überhaupt anreisen, wird der Marathon doch noch abgesagt? Der bange Blick auf die Infektionszahlen der Landkreise wurde zum morgentlichen Ritual.
Richtig sicher, dass der Lauf wohl stattfindet, waren wir erst am Sonntag morgen, als wir keine Absage-Email im Postfach hatten.

Mein Körper will auch nicht so richtig

Von der ganzen Corona-Problematik abgesehen, hatte ich noch ein ganz anderes Problem. Seit einem Longrun über 30 Kilometer, zwei Wochen vor dem Rennen, plagten mich fiese Schmerzen im Fuß, die zeitweise so heftig waren, dass ich nicht mehr auftreten konnte.

In dieser Saison ist wirklich der Wurm drin. Ich habe das Lauftraining so gut es ging reduziert und durch Alternativen ersetzt. Immer am erträglichen Schmerzlevel trainieren. Nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen. Aber wenn es wirklich noch einen Marathon gibt, dann wollte ich den unbedingt mitnehmen. Danach ist ja Zeit zur Regeneration. Es wird schon nichts kaputtgehen.

Der Königsforst Marathon findet wirklich statt

Um 7 Uhr morgens wurden wir von zwei weiteren Mitstreitern abgeholt und es ging zusammen mit dem Auto nach Bergisch-Gladbach.
Am Startbereich angekommen fanden wir direkt einen Parkplatz, nur wenige Meter vom Start entfernt. Besser geht es ja gar nicht. Alles war sehr gut organisiert. Überall waren Abstandsmarkierungen angebracht und Desinfektionsmittel bereitgestellt. Alle Läufer hielten Abstand und hatten eine Maske auf. Sehr vorbildlich. Man merkte deutlich, wie dankbar alle waren, dass diese Veranstaltung stattfindet.
Schnell hatten wir unsere Startnummer und verbrachten die restliche Zeit bis zum Start im Auto.

Es geht los

Um 10 sollte es für mich mit der letzten Startwelle des Marathon losgehen. Im Startblock war für jeden Läufer eine Startmarkierung aufgebracht. Die Maske sollte bis kurz nach dem Start getragen werden.
Vor dem Start bedankten sich alle beim Veranstalter, dass er das Rennen gegen alle Widrigkeiten auf die Beine gestellt hat und es gab einen kleinen Applaus. Verdient! Danke!

Wir zählten zusammen die Uhr runter und los ging’s.

Der Start des Königsforst Marathon

Da die Strecke über Waldwege geht, recht wellig ist und einige Höhenmetern hat, war ich im Vorfeld unsicher, auf welche Zeit ich laufen sollte. Unter 3 Stunden sollten es aber auf jeden Fall werden.
Der Läufer vor mir hatte sich mit Edding dick „2:50“ auf den Arm geschrieben. Okay, da geh ich doch mal mit und schaue, wo es endet. In einer kleinen Gruppe läuft es sich ja doch leichter.
Leider wurden meine Begleiter recht schnell deutlich langsamer. Statt bei ihnen zu bleiben, hielt ich lieber erstmal an dem Ziel 2:50 fest und war ab da auf mich allein gestellt.

Das Wetter war perfekt. Kühl und etwas neblig, aber auch die Sonne lies sich ab und an blicken. Doch das Wichtigste: es war windstill.
Es ging über gut zu laufende geschotterte Waldwege. Herrliche Luft. Es lief gut. Ein toller Waldlauf.
So lief es wirklich super auf der ersten von zwei Runden. Der Fuß meldete ich auch nur zaghaft. Ich wurde leicht euphorisch. Aber nach 15 Kilometern sollte man sich das besser nicht zu Kopf steigen lassen.
Es gab da ja auch noch die Anstiege und gerade die letzten 4 Kilometer der Runde taten schon beim ersten Mal weh. Das wird bei Kilometer 38 sicher nicht besser.

Und noch eine Runde

Nach gut 1:25 ging es für mich auf die zweite Runde. Da kam mir dann auch Michelle entgegen, die auf den letzten Kilometern des Halbmarathon war.

Waldlauf

Bei Kilometer 36 fing der Kampf an. Der Fuss meldete sich vehementer und so langsam machten sich die Höhenmeter in den Beinen bemerkbar. Der Kampf gegen mich selbst war im vollen Gange, als es auf die letzte lange Steigung ging.
Ich war kurz davor stehen zu bleiben. Doch die Uhr zeigte immer noch eine Zielzeit von etwa 2:50 an. Mir war klar, dass ich noch Zeit verlieren werde, aber die 2:52 müsste ich doch noch schaffen. Also Zähne zusammenbeißen, es hilft ja alles nichts.
An der letzten Ecke vor dem Ziel standen Michelle und unsere Reisegruppe, die ich aber nicht mehr so richtig wahrnahm und dann war es geschafft. 2:52:02 – meine 3. beste Marathonzeit. Ich bin super zufrieden. Das ich auf den letzten 4 Kilometer über 1,5 Minuten verloren habe, zeigt aber, dass da wirklich Ende der Fahnenstange war. So stand ich auch erstmal im Ziel und konnte nur mühsam weitergehen, so sehr schmerzten die Beine.

Im Ziel gab es dann sogar einen kleine Zielverpflegung, eine sehr schöne Medaille und auch das obligatorische alkoholfreie Bier fehlte nicht. Was will man mehr?

Die letzten Meter

Mein Fazit zum Königsforst Marathon

Zu erst einmal vielen Dank an den Veranstalter des Königsforst Marathon, der sicherlich viele schlaflose Nächte in die Organisation gesteckt hat und immer wieder auf die aktuelle Lage reagieren musste und trotz der drohenden Absage nie aufgegeben hat. Danke!

Es geht also doch. Marathon in Coronazeiten ist möglich. Und ja, es hatte alles was ein Marathon für mich haben muss. Die Nervosität und das Adrenalin vor dem Start, den Wettkampfcharakter und das Feeling eines Rennen. Klar, jeder hat seine Vorstellungen, wie ein Marathon aussehen sollte. Auf Massenstart und tausende Zuschauer an der Strecke werden wir wohl noch eine Weile verzichten müssen. Aber für mich geht es auch ohne den großen Trubel.

Ich denke, kleine vereinsorganisierte Events sind auch in der Pandemie gut möglich und vertretbar. Doch gehen die Veranstalter natürlich auch immer ein großes Risiko ein. Da kann ich es schon verstehen, dass viele Vereine die Events lieber absagen, statt sich den Stress zu geben. Gerade in diesen Zeiten zeigt sich, wie wichtig diese Vereine sind.

Schauen wir mal, wie es nächstes Jahr weitergeht. Ich leg jetzt erstmal die Beine hoch und packe mir etwas Eis auf den Fuß. Die Saison 2020 ist für mich beendet.

Medaille des Königsforst Marathon

Strava Aktivitäten zu diesem Rennen

Infos zum Königsforst Marathon auf der Veranstalter Webseite