Moret Triathlon – Ein Triathlon in Corona Zeiten

Die Mitteldistanz des Moret Triathlon in Babenhausen war 2014 mein erster Triathlon. 6 Jahre später stehe ich hier wieder am Start, wieder auf der Mitteldistanz.
Allerdings hat sich der Moret Triathlon enorm gewandelt. Früher gab es zwei Wechselzonen, jetzt nur noch eine. Früher gab es eine nicht gesperrte Radstrecke mit gut 900 Höhenmetern, jetzt ist sie voll gesperrt und fast flach. Auch die Schotterpiste samt Bahnübergang wurde aus dem Kurs entfernt.

Eigentlich sah meine Saisonplanung für 2020 vollkommen anders aus. Doch durch die Absagen aller meiner geplanten Wettkämpfe war mein Rennkalender plötzlich leer.
Was tun? Eine Handvoll Triathlonrennen in Deutschland waren noch nicht abgesagt, darunter auch der Moret Triathlon. Also habe ich mich dort spontan angemeldet. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Als dann auch noch das Startfeld auf 200 Teilnehmer reduziert wurde, war ich tatsächlich guter Dinge, dass das Rennen stattfinden könnte.

Während unseres Österreich Urlaubs, der eigentlich den 70.3 Ironman Zell am See zum Ziel hatte, kam die Email: „Der Moret Triathlon findet statt!“.
Sehr geil!
Michelle hatte sich noch für das Sprintrennen anmelden können und so sollte Moret für uns beide der Triathlon des Jahres 2020 werden.

Nach dem Urlaub ging es quasi nahtlos in die Tapering-Phase.
Nun gab es nur noch ein Problem: Mein Rad war zur Reparatur, weil ich einen Bremshebel geschrottet hatte. Ob das noch rechtzeitig fertig wird?
Um ein Backup zu haben, habe ich dann am Tag vor dem Wettkampf mein altes Zeitrad fit gemacht. Als ich damit fertig war, kam die Mail vom Radladen: „Dein Rad ist fertig!“. Perfektes Timing.

Wann müssen wir eigentlich los?

Sonntag morgen, Rennmorgen. Wir stehen gemütlich auf, trinken Kaffee und schauen noch etwas fern. Wir haben alle Zeit der Welt. Bis Babenhausen fahren wir nur eine Stunde.
Draußen dämmert es langsam, es ist 6:40 Uhr. Moment mal! 6:40? Um 7:30 ist doch Startnummernausgabe! Fuck!!! „Wir müssen los, JETZT!“.
Keine Ahnung wie das passieren konnte, aber wir sind einfach eine Stunde zu spät aufgestanden und haben es nicht mal gemerkt.
Wir brechen überstürzt auf und ich trete den armen Volvo mit Vollgas über die Autobahn. Gut, dass ich schon gestern Abend die Räder verstaut habe, sonst hätten wir uns wieder hinlegen können. Schweißgebadet rollen wir um 7:40 Uhr auf den Parkplatz. Das geht ja mal gut los.

In Rekordzeit machen wir die Räder startklar und eilen zur Startnummernausgabe. Dort angekommen stehen wir in einer langen Schlange, die sich gefühlt nicht bewegt. Es dauert eine halbe Stunde bis ich meine Nummer habe. Es sind noch 30 Minuten bis zum Start. Entspannte Vorbereitung sieht anders aus. Michelle startet wesentlich später und hat noch ewig Zeit. Ich dagegen haste zum Bike-Checkin.
In der Wechselzone richte ich mich schnell ein. Routine ist alles. Aufgrund der Hygienebestimmungen hat man sehr viel Platz in der Wechselzone. Eigentlich ist man es ja gewohnt, dass die Räder Lenker an Lenker hängen und man sich gerade noch bewegen kann. Das ist jetzt ganz anders. Üppiger Abstand zum nächsten Rad erlaubt es, sich richtig auszubreiten. Das ist eine Neuerung, die ich mal richtig gut finde.
Dann zwänge ich mich in den Neo und laufe fix zum Schwimmstart. Puh, das ist ja nochmal gut gegangen.

Es geht los

Die Hygienemaßnahmen sehen Startgruppen von 8 Starten vor, die alle 20 Sekunden ins Wasser gehen. Jede Gruppe hat ihren Bereich und es gilt eine Maske zu tragen.
Es ist etwas tricky die Maske auszuziehen, wenn man die Badekappe schon auf hat. Aber mit etwas Gezerre geht es.
Dann Renne ich ins Wasser. KNACK! Autsch… Ich trete in ein Loch, das unter der Wasseroberfläche verborgen ist und knicke um. Mein Fußgelenk pocht vor Schmerz. Super!
Es hilft ja nichts, ich schwimme los. Das Wasser kühlt das Gelenk. Ich hoffe einfach, dass sich der Schmerz durch die bevorstehende, 30-minütige Kühlung etwas beruhigt.

Moret Triathlon Schwimmausstieg

Durch das sehr entzerrte Startfeld schwimmt es sich sehr gemütlich. Der See ist angenehm temperiert. Das liegt wohl auch daran, dass er nicht allzu tief ist, denn zweimal berühre ich beim Schwimmen mit der Hand den Boden.

Nach knapp 30 Minuten komme ich aus dem Wasser. Da die Strecke aber mit knapp 1700 Meter viel zu kurz ist, ist die Zeit eher nicht so gut. Vielleicht doch etwas zu gemütlich geschwommen.

Ballern auf der Radstrecke des Moret Triathlon

Die Wechselzone gleicht einem Sandkasten und so versuche ich verzweifelt den Sand von den Füssen zu bekommen, bevor ich mir die Socken anziehe, was nur bedingt gelingt. Das kostet Zeit.

Wechsel auf das Rad

Ein Großteil der Radstrecke führt über eine topfebene und kerzengerade Bundesstraße. Das verspricht schnelle Zeiten.
Leider geht es aber auch durch einen Ort mit einer sehr engen Passage mit Überholverbot. Da von der Bundesstraße kein Weg in den Ort führt, wurde als Ein- und Ausfahrt ein Stück Grünstreifen planiert, den man mit gebotener Vorsicht überfahren musste (da frage ich mich ja, was der Veranstalter bei einem Regenrennen gemacht hätte?). Das ist schon eine sehr ungewöhnliche Wegführung. Auch die vielen 90 und 180 Grad Kurven machen die eigentlich schnelle Strecke wieder etwas langsamer.

Die erste Runde fahre ich fast alleine und orientiere mich an meinen Watt-Werten. Irgendwann fahre ich auf eine kleine Gruppe auf, von der ich mich aber nicht lösen kann. Ich gebe auf und schließe mich der Gruppe an. Irgendwann lasse ich aber die Beine hängen, da ich nicht einsehe, die ganze Zeit vorne im Wind die Arbeit zu machen.
Die Gruppe sammelt weiter Fahrer ein und auch von hinten gesellen sich noch einige dazu, so dass am Ende ein Zug von etwa 8 Fahrern unterwegs ist. Zumindest was ich beobachte, wird fair gefahren und auch der Wettkampfrichter, der regelmäßig vorbei brauste, hatte nichts zu bemängeln.

Moret Triathlon Radstrecke

Das Wetter ist perfekt und so macht es einfach Spaß mal wieder mit Speed auf dem Zeitrad unterwegs zu sein. Nach 4 Runden und knapp 84 Kilometern ist der Spaß auch schon wieder vorbei.

Querfeldeinrennen

Ich wechsele auf die Laufstrecke und leider wird hier der positive Eindruck der Veranstaltung doch etwas getrübt.
Der Zubringer zum Rundkurs, den es vier Mal zu laufen gilt, ist eine Sand- und Wiesenpiste. Doch meine Hoffnung, dass es auf dem Rundkurs besser wird, erfüllt sich leider nicht.
Die Strecke führt über üble Ackerwege mit tiefen Löchern und großen Steinen. Das ist für einen reinen Asphaltläufer wie mich verdammt anstrengend.
Außerdem habe ich definitiv die falschen Schuhe an. Mit den Hightech Vaporfly laufe ich wie auf rohen Eiern. Ich fluche vor mich hin und versuche nicht umzuknicken. Meinem lädierten Fuss gefällt das alles gar nicht.
Lediglich ein gut asphaltiertes Stück am Ende der Runde lässt es zu, etwas entspannter zu laufen.

Der abschließende Lauf

Eine weitere Fehlplanung war es die einzige Verpflegungsstation ans Ende der Runde zu positionieren. So muss man fast 5 Kilometer laufen, bis es endlich mal was zu trinken gibt. Bei den sommerlichen Temperaturen nicht wirklich optimal.

Ich bin froh, dass die Laufstrecke nur knapp 17 Kilometer lang ist. Das macht wirklich keinen Spaß!

Moret Triathlon Afterrace

Der Zieleinlauf ist unspektakulär. Es sind keine Zuschauer anwesend, da vom Veranstalter gebeten wurde auf Begleitung zu verzichten.

Nach dem Rennen gibt es eine Tüte mit der Zielverpflegung und nach kurzem Verschnaufen, wurde man gebeten den Bereich zu verlassen und sich in die Wechselzone zu seinem Platz zu begeben.

Keine Afterrace-Verpflegung, kein Schnack beim alkoholfreien Bier mit anderen Athleten, keine Ergebnislisten, keine Siegerehrung. Auf die soziale Komponente muss man aktuell leider, wie in vielen Bereichen des öffentlichen Leben, verzichten.

Aber an dieser Stelle muss man dem Veranstalter danken, der gezeigt hat, dass Triathlon auch in Zeiten von Corona möglich ist und der das, sicher nicht unerhebliche, Risiko eingegangen ist, dieses Rennen durchzuziehen. Da ist dann auch die miese Laufstrecke verziehen. Danke!

Mit dem Rennen bin ich im nachhinein nicht so richtig zufrieden, da ich sowohl auf dem Rad, als auch beim Laufen, hinter den angestrebten Werten geblieben bin.
Der 10. Platz liest sich trotzdem ganz gut. 2014 war ich noch 26. in der AK! Da sieht man dann doch den kleine Leistungssprung.

Damit beginnt und endet die Triathlon Saison 2020 mit der Moret Mitteldistanz.
Ich hoffe, dass im nächsten Jahr wieder mehr Rennen, mit entsprechenden Konzepten, starten dürfen. Wenn tausende Menschen in ein Fußballstadion gelassen werden, wäre es doch lächerlich, wenn der Triathlon als kontaktloser Outdoor-Sport untersagt wird.


Hier die Links zu den Strava Aktivitäten: Swim, Bike & Run

Infos zum Moret Triathlon auf der Veranstalter Webseite